15. November 2011

Diabetesversorgung: DMP-Programme erfolgreich - insgesamt leichtes Verbesserungspotenzial

Die Diabetesversorgung in Deutschland ist auf einem guten Weg, äußerte der Berufsverband der diabetologischen Schwerpunktpraxen in Nordrhein (BdSN) anlässlich des Welt-Diabetestag am 14. November 2011. „Wir haben in den vergangenen Jahren schon viel erreicht. Wichtig ist jetzt, dass wir weitermachen und vor allem die Vielzahl der Diabetiker erreichen, die noch nicht oder nur unzureichend behandelt werden“, betont Dr. Matthias Kaltheuner aus dem Vorstand des BdSN. Trotzdem gebe es in einigen Punkten Verbesserungspotenzial.

Wie stark sich die Behandlungsstrukturen verändert haben, zeige sich am deutlichsten in der ambulanten Versorgung. Diese sei durch die Einführung der bundesweiten Diabetes-Disease Management Programme (DMP) deutlich besser strukturiert worden. Die DMP hätten die Hausärzte gestärkt und gleichzeitig den Diabetologen den Aufbau diabetologischer Schwerpunktpraxen ermöglicht. Inzwischen nehmen an den DMP für Diabetes mellitus Typ 2 bundesweit über 3,5 Millionen Menschen und ca. 70 bis 80 Prozent aller Hausarzt-Praxen teil.

Begleitprogramme in Krankenhäusern verbessern
„Diese Zahlen und Entwicklungen freuen uns natürlich sehr. Nichtsdestotrotz sehen wir in einigen Bereichen noch Verbesserungspotenzial“, so Dr. Kaltheuner. Ein Beispiel seien die Diabetes-Konzepte der Krankenhäuser. Obwohl jeder sechste bis siebte Krankenhaus-Patient Diabetiker sei, bestehe selten ein Konzept für die stationäre Begleitbehandlung des Diabetes.

Zudem gebe es geschätzte 2 Millionen noch nicht diagnostizierter Diabetesfälle sowie zusätzliche 2 bis 4 Millionen Menschen, die bereits an einer Vorstufe des Diabetes erkrankt, aber ebenfalls noch nicht diagnostiziert seien. „Dies ist eine große Herausforderung für alle, die an der Versorgung beteiligt sind. Wir möchten das Bewusstsein für Diabetes in der Bevölkerung, in der Politik und auf allen Ebenen der Patientenversorgung schärfen, um der Diabetesepidemie noch besser entgegenwirken zu können,“ so Kaltheuner.

Folgeerkrankungen durch Schulung und Betreuung eindämmen
Diabetiker sterben meist nicht am erhöhten Blutzucker, sondern an den Folgeerkrankungen, zu denen neben Herzinfarkten vor allem Nierenleiden, aber auch Amputationen und Augenerkrankungen zählen, so der BdSN. Durch diese Folgeerkrankungen verkürze sich das Leben von Typ-2-Diabetes-Patienten im Durchschnitt um ca. acht Jahre. Um diese Prognose zu verbessern, seien vor allem die Patienten selber gefragt. Der BdSN plädiert daher für umfassende Patientenschulungen und eine flächendeckende, abgestimmte Betreuung in allen Aspekten der Therapie, um Folgeerkrankungen verhindern.