02. Dezember 2011

DGCH: Geringe Lebensqualität für Chirurgen

Aus einer aktuellen Umfrage der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) geht hervor, dass Chirurgen in Deutschland ihre Lebensqualität schlechter einschätzen als andere Ärzte und die Allgemeinbevölkerung. Obwohl Operieren ihnen nahezu das Liebste ist, verleiden den Chirurgen lange Arbeitszeiten, Stress und Bürokratie die Freude am Beruf: „In unserer Umfrage geben überzeugende 96 Prozent der Teilnehmer an, dass Operieren ihre am meisten geschätzte Tätigkeit sei“, sagt Professor Hartwig Bauer, Generalsekretär der DGCH aus Berlin. Der gleiche Prozentsatz betrachtet den Beruf Chirurg als wichtigstes Lebensziel.

Mehr als 77 Prozent würden ihn wieder wählen. Doch die Begeisterung steht im Gegensatz zu weiteren Ergebnissen: Chirurgen liegen mit ihrer Arbeitsbelastung im Durchschnitt immer noch deutlich oberhalb der Normen des Arbeitszeitgesetzes. Neben der zeitlichen Überlastung zerrt vor allem hohe Arbeitsverdichtung an den Nerven. Mehr als zwei Drittel empfinden zudem den Anteil an Verwaltungsaufgaben als zu hoch. Die DGCH hatte in der Umfrage in den Jahren 2008 und 2009 erstmals für Deutschland die Lebensqualität von Chirurgen analysiert.

Laut Professor Bauer handelt es sich um die weltweit größte Befragung dieser Art. Insgesamt 2991 Chirurgen aller Fachrichtungen hatten den Fragebogen zur Lebensqualität ausgefüllt. Als Vergleichsgruppe dienten 561 nicht-operativ tätige Ärzte und 100 Medizinstudenten.

Den Ergebnissen zufolge wirkt sich die dokumentierte Unzufriedenheit negativ auf die Lebensqualität aus: Leistungsvermögen, Genuss- und Entspannungsfähigkeit, Stimmung, Kontaktvermögen und Zugehörigkeitsgefühl sind dadurch nicht nur schlechter als bei nicht-chirurgisch tätigen Ärzten. „Die chirurgischen Kollegen schneiden sogar schlechter ab als verschiedene Patientengruppen“, sagt Professor Bauer. Eine wichtige Erkenntnis sei, dass Chirurgen ihr Familien- und Privatleben zwar ebensoviel bedeutet, wie Ärzten anderer Fächer: „Chirurgen sind jedoch berufsbedingt weniger dazu in der Lage, sich diesem ausreichend zu widmen“, benennt Professor Bauer ein Problem, das die Freude am Beruf heutzutage erheblich trübt.