15. Februar 2012

DAK-Gesundheitsreport 2012: Krankmeldungen erreichen 2011 den höchsten Stand seit 15 Jahren

Der Krankenstand stieg 2011 auf 3,6 Prozent - ein Jahr zuvor lag er noch bei 3,4 Prozent. Er liegt damit so hoch wie seit 15 Jahren nicht mehr. Zu diesem Ergebnis kommt der DAK-Gesundheitsreport 2012. Herbert Rebscher, Chef der DAK-Gesundheit, warnt jedoch davor, diese Steigerung falsch zu interpretieren.

„Bei der Entwicklung des Krankenstandes zeigen sich über alle Branchen hinweg bereits die ersten Anzeichen des demografischen Wandels“, kommentiert er den Trend. „Die Belegschaften sind schon heute durchschnittlich älter als vor zehn Jahren. Ältere Mitarbeiter sind seltener krank als Jüngere, dafür aber deutlich länger“. Rebscher prognostiziert, dass aufgrund der Demografie der Krankenstand auch in den nächsten Jahren beschleunigt steigen wird, wenn Unternehmen nicht durch Prävention gegensteuern. Erst kürzlich hatte die Bundesagentur für Arbeit gemeldet, dass der Anteil der 60- bis 65-Jährigen an allen Erwerbstätigen sich in den letzten zehn Jahren fast verdreifacht hat.

Immer mehr Arbeitsausfall aufgrund psychischer Krankheiten
Ungebrochen ist auch der Trend bei den psychischen Erkrankungen: Im vergangenen Jahr stieg ihr Anteil von 12,1 auf 13,4 Prozent am Gesamtkrankenstand. Damit hat sich in den zurückliegenden 15 Jahren der Anteil dieser Krankheitsgruppe am Krankenstand mehr als verdoppelt. Depressionen & Co machen heute knapp ein Siebtel des gesamten Krankenstandes aus. „Die durchschnittliche Dauer einer Krankschreibung bei psychischen Leiden liegt bei rund 30 Tagen. Das Betriebsklima, die Führungskultur und familiengerechte Arbeitsplätze sind betriebswirtschaftlich gesehen weiche Faktoren, können aber helfen, psychische Erkrankungen zu vermeiden. Ein Monat Arbeitsausfall ist ein betriebswirtschaftliches Risiko, so dass es sich lohnt, auch hier zu investieren“, so Rebscher.

Muskel-Skelett-Erkrankungen am häufigsten
Muskel-Skelett-Erkrankungen stehen im Krankheitsspektrum aller bei der DAK-Gesundheit versicherten Arbeitnehmer mit 21,3 Prozent aller Krankheitstage ganz vorne. An zweiter Stelle folgen die Erkrankungen des Atmungssystems mit einem Anteil von 16,1 Prozent. Verletzungen liegen an dritter Stelle mit 13,9 Prozent. Die psychischen Erkrankungen sind mit 13,4 Prozent die viertgrößte Krankheitsart. An fünfter Stelle stehen Erkrankungen des Verdauungssystems mit einem Anteil von 6 Prozent.

Branchenergebnisse
Die Branchen mit den niedrigsten Krankenständen waren 2011 der Bereich Bildung, Kultur und Medien mit 2,7 Prozent sowie der Bereich Banken und Versicherungen mit 3,0 Prozent. Unter dem Durchschnitt lag auch die Rechtsberatung (1 Prozent) sowie der Handel mit 3,4 Prozent. Den höchsten Krankenstand weisen die Öffentliche Verwaltung mit 4,2 Prozent und das Gesundheitswesen mit 4,1 Prozent auf.

Ein DAK-Versicherter war 2011 durchschnittlich 13,2 Kalendertage krankgeschrieben. Mehr als die Hälfte aller erwerbstätigen Versicherten (2 Prozent) meldete sich 2011 jedoch gar nicht krank. Für den Gesundheitsreport hat die DAK-Gesundheit die Krankschreibungen von 2,4 Millionen erwerbstätigen Versicherten mit Hilfe des IGES Instituts aus Berlin ausgewertet.