12. März 2012

In jedem dritten Betrieb bleiben Ausbildungsstellen unbesetzt

Im Jahr 2010 konnte jeder dritte Betrieb, der Arbeitsstellen angeboten hat, eine oder mehrere Stellen nicht besetzen, weil es aus Sicht der befragten Betriebe keine oder nur ungeeignete Stellenbewerber/-innen gab. Für 87 Prozent der Stellen, die nicht besetzt werden konnten, wurden Beschäftigte für qualifizierte oder hochqualifizierte Tätigkeiten gesucht. Dies zeigte eine Betriebsbefragung des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB).

Jeder zweite Betrieb in Deutschland hat im Jahr 2010 Stellen für neue Arbeitskräfte angeboten. 68 % dieser Betriebe haben für alle angebotenen Stellen neue Arbeitskräfte eingestellt. Jeder dritte Betrieb mit einem Stellenangebot konnte dagegen eine oder mehrere der angebotenen Stellen nicht besetzen, weil es aus Sicht der befragten Betriebe keine oder nur ungeeignete Bewerber/-innen gab.

Der Vergleich über die Branchen zeigt, dass vor allem Betriebe und Unternehmen aus dem produzie-renden und verarbeitenden Gewerbe (44 %) und Betriebe aus der Branche der unternehmensnahen Dienstleistungen (43 %) Probleme hatten, Stellen zu besetzen. Dagegen hatten Betriebe aus den Branchen „Handel und Reparatur“ sowie „Öffentliche Verwaltung, Gesundheit und Erziehung“ seltener Probleme, neue Arbeitskräfte für ihre Stellenangebote zu rekrutieren.

Großer Mangel an qualifiziertem Nachwuchs
Probleme bei der Stellenbesetzung kommen vor allem bei der Rekrutierung von Beschäftigten für qualifizierte und hochqualifizierte Tätigkeiten vor. Für 87 % der unbesetzten Stellen wurden Beschäftigte für qualifizierte und hochqualifizierte Tätigkeiten gesucht. Der Anteil der unbesetzten Stellen für Beschäftigte für einfache Tätigkeiten beträgt dagegen nur 13 %.

Den Betrieben fällt es zunehmend schwer, Jugendliche für die betriebliche Ausbildung zu gewinnen. Jeder zweite Ausbildungsbetrieb hat für das Ausbildungsjahr 2010/2011 Stellen für Ausbildungsberufe nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG) oder der Handwerksordnung (HwO) angeboten. Von diesen Betrieben haben 65 % alle angebotenen Ausbildungsplätze besetzen können. Bei mehr als einem Drittel der Betriebe (35 %) blieben dagegen eine oder mehrere der angebotenen Ausbildungsstellen unbesetzt.

Dabei unterscheidet sich die Situation zwischen Betrieben nach Branchen, Regionen und Beschäftigtenzahlen Aus der Branche „Sonstige Dienstleistungen“, zu der beispielsweise das Gaststättengewerbe zählt, konnten 44 % der Betriebe mindestens eine der angebotenen Ausbildungsstellen nicht besetzen. Von den Betrieben, die unternehmensnahe Dienstleistungen anbieten, wie beispielweise Banken oder Versicherungen, war es dagegen nur etwa jedem fünften Betrieb (22 %) nicht gelungen, alle angebotenen Ausbildungsstellen zu besetzen.

Es gibt auch deutliche regionale Unterschiede: In Ostdeutschland konnte fast jeder zweite Betrieb (48 %) seine angebotenen Ausbildungsstellen gar nicht oder nur teilweise besetzen – im Westen war nur jeder dritte Betrieb (33 %) betroffen. Der Anteil der Großbetriebe mit unbesetzten Ausbildungsstellen fällt deutlich geringer aus als der entsprechende Anteil bei Kleinstbetrieben (19 % gegenüber 42 %).

Perspektive in den nächsten drei Jahren
In Deutschland planen 13 % der Ausbildungsbetriebe eine Erhöhung ihres Angebots an Ausbildungsplätzen. Ähnlich hoch (12 %) ist auch der Anteil der Betriebe, die die Absicht haben, ihr Angebot zu senken oder ihre Ausbildungsaktivität ganz einzustellen Die Mehrheit der Betriebe (58 %) rechnet für die Zukunft mit zunehmenden Schwierigkeiten, geeignete Bewerber/-innen für ihre Ausbildungsplätze zu finden. Nur 3 % aller Betriebe ist der Meinung, dass die Suche nach Auszubildenden einfacher wird

Das BIBB-Betriebspanel zu Qualifizierung und Kompetenzentwicklung (kurz: BIBB-Qualifizierungspanel) ist eine jährliche Wiederholungsbefragung, mit der repräsentative Daten zum Qualifizierungsgeschehen von Betrieben in Deutschland erhoben werden. Die Befragung wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanziert und vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Zusammenarbeit mit TNS Infratest Sozialforschung durchgeführt.