27. März 2012

Gesundheitshandwerke: Positionspapier fordert Mitspracherecht auf Augenhöhe



Anlässlich des 2. Medientags des Handwerks präsentierten die Gesundheitshandwerke auf der Internationalen Handwerksmesse München am 15. März ein Positionspapier. Unter dem Titel „Die Gesundheitshandwerke – Chancen und Risiken im Zukunftsmarkt Gesundheit“ plädierten sie dafür, die Kompetenzen der Gesundheitshandwerke stärker im Gesundheitssystem zu gewichten. Unter anderem sprachen sie sich dafür aus, gleichberechtigt mit der Ärzteschaft im Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) mitarbeiten zu können.

Mit der fachlichen und technologischen Entwicklung hat sich auch das Gesundheitshandwerk höher qualifiziert, erklärte Thomas Truckenbrod, Präsident des Zentralverbandes der Augenoptiker (ZVA). Deshalb sei es nur folgerichtig, die Schnittstellen zwischen den Berufs- und Tätigkeitsfeldern der Gesundheitshandwerke und der Ärzte neu anzupassen – wie es bei den Augenoptikern und Hörgeräte­akus­tikern bereits begonnen worden sei. Die Gesundheitshandwerke seien für diese Entwicklung offen und durch eine Verstärkung der Aus- und Fortbildung dazu fähig. Truckenbrod appellierte in diesem Zusammenhang dafür, im Sinne des Patientenschutzes die Pflicht zur Meisterpräsenz zu erhalten, ohne die das hohe Niveau der Patientenversorgung in Deutschland nicht beizubehalten sei.

Ausbildung optimieren
Um angesichts der demografischen Entwicklung die hohen Qualitätsstandards weiterhin zu sichern, bedarf es sehr gut ausgebildeter Gesellen und Meister, machte Werner Dierolf, Präsident des Zentralverbands für Ortho­pädie­schuh­technik (ZVOS), klar. Zumal die Anforderungen an Gesundheitshandwerker in den letzten 10 Jahren durch die technologische Entwicklung und den ständig sich verändernden Gesundheitsmarkt erheblich gestiegen seien. Im internationalen Vergleich erziele das duale Ausbildungssystem des Gesundheitshandwerks herausragende Ergebnisse. Zudem biete es die Qualifikation für eine mögliche akademische Folgeausbildung. Sinnvoll sei, dass auch diese in enger Zusammenarbeit mit den Betrieben erfolge, um uner­läss­liche Praxiserfahrungen zu ermöglichen. Optimiert werden müssten jedoch die schulischen Vorleistungen der künftigen Azubis – sowohl in den Naturwissenschaften als auch in Rechtschreibung und Allgemeinbildung.

Gesundheitshandwerk fordert Mitarbeit im G-BA
Ärzte allein können heutzutage nicht mehr die gesamte Versorgungskette im Blick haben, meinte Olaf Kelz, Vizepräsident des Bundesinnungsverband für Orthopädietechnik (BIV-OT) – umso wichtiger sei die Abstimmung mit den nicht-ärztlichen Leistungserbringern. Beispielsweise werde in Deutschland häufiger als in anderen europäischen Ländern auch dann zum OP-Messer gegriffen, wenn konservative Methoden noch ausreichen würden. Mehr denn je sei die enge Kooperation auf gleicher Augenhöhe gefordert, so Kelz. Doch sie sei in Deutschland immer noch nicht institutionell verankert. Dem Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), der die Richtlinien des Leistungskatalogs der Gesetzlichen Krankenversicherung festlegt, gehören bislang lediglich Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser und Krankenkassen an. „Diesen indiskutablen und realitätsfernen Zustand gilt es abzuschaffen“, so die gemeinsame Presseerklärung der Gesundheitshandwerke.

Korruption bekämpfen
Gegen Korruption und die wirtschaftliche Vorteilsnahme von Ärzten sprach sich Jürgen Schwichtenberg, Präsident des Verbandes deutscher Zahntechniker-Innungen (VDZI) aus. Er begrüßte die bisherigen sozialrechtlichen Maßnahmen, Korruption zu bekämpfen. Sie seien im Sinne der Gesundheitshandwerke, die schließlich vollständig von den Verordnungen und Aufträgen der Ärzte abhängig seien. Inbesondere begrüßte Schwichtenberg die Verschärfungen durch das neue GKV-Versorgungsstrukturgesetz, das Einkünfte durch ärztliche Zuweisungen an bestimmte Leis­tungserbringer untersagt. Dies müsste insbesondere auch auf die zahntechnische Versorgung übertragen werden und darüber hinaus auch auf die PKV ausgeweitet werden, forderte Schwichtenberger.

Exportschranken abbauen
Die hohe Qualität der dualen Ausbildung in Deutschland besteht jeden internationalen Vergleich, sagte Marianne Frickel, Präsidentin der Bundesinnung der Hörgeräteakustiker (BIHA). Trotzdem gebe es häufig Probleme, wenn sich deutsche Gesundheitshandwerke in EU-Ländern selbstständig machen wollten, in denen der Beruf ausschließlich von Akademikern ausgeübt werden dürfe. Sie forderte den freien Berufszugang in Europa überall dort, wo die Qualität der zu erbringende Dienstleistung vergleichbar ist.
sw