11. April 2012

GKV Spitzenverband fordert mehr Einfluss auf die Preisgestaltung der zahnmedizinischen Versorgung

Der GKV Spitzenverband sieht das GKV-Angebot in der Zahnmedizin zunehmend durch privat zu finanzierender Leistungen gefährdet. In einem Positionspapier forderte er mehr Einflussmöglichkeiten für die Kassen in der Preisgestaltung der zahnmedizinischen Versorgung. Zudem spricht sich der Verband gegen die Ausweitung des Festzuschusssystems auf weitere zahnmedizinische Bereiche aus.

Sachleistungsprinzip ausgehölt
Der Honoraranteil, der über den vertraglichen Leistungskatalog (Bema) abgerechnet wurde, gehe immer weiter zurück, so der GKV Spitzenverband. Bei Zahnersatzleistungen liegt er bei nur noch knapp einem Viertel. Die übrigen drei Viertel würden nach der privaten Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) abgerechnet. Durch diesen Verlagerungseffekt hätten sich die Eigenanteile der Versicherten bei Zahnersatzversorgungen, die Privatleistungen enthalten, erhöht. Sie stiegen 2009 gegenüber 2005 um durchschnittlich 10,2 % bei Leistungen, die zusätzlich zur Regelversorgung hinzukamen, und um durchschnittlich 14,3 % bei Leistungen, die außerhalb der Regelversorgung lagen. Darin sieht der GKV Spitzenverband eine sozial unausgewogene, deutliche Mehrbelastung der GKV-Versicherten und eine Aushöhlung des bewährten Sachleistungsprinzips im Bereich der zahnmedizinischen Versorgung.

Kassen fordern mehr Einfluss auf die Preisgestaltung
Die zunehmende Privatisierung der zahnärztlichen Versorgung führe dazu, dass die Krankenkassen auf die Rolle des „Bezahlers“ reduziert würden. Sie würden zwar einen erheblichen Teil von privatärztlichen Leistungen bezuschussen, hätten aber keinen Einfluss auf deren Preisgestaltung, da diese Leistungen nach der privaten Gebührenordnung - und damit außerhalb des für die gesetzlich Versicherten maßgeblichen Regelwerks – erbracht würden. Die Kassen fordern daher gesetzliche Möglichkeiten, in Verträgen mit Zahnärzten Höchstsätze für zahnärztliche Leistungen nach der GOZ auszuhandeln, sofern sie dafür anteilig Kosten oder Zuschüsse übernehmen.

GKV Spitzenverband gegen die Ausweitung des Festzuschusssystems
Vor dem Hintergrund dieser Erfahrungen sprechen sich die gesetzlichen Kassen zudem nachdrücklich gegen eine Ausweitung des Festzuschusssystems auf andere zahnmedizinische Bereiche, wie z. B. Wurzelkanalbehandlungen oder Prophylaxeleistungen, aus. Diese würde nur zu weiteren Leistungsausgrenzungen führen und die Versicherten finanziell überfordern, ohne dass die Kassen ihnen schützend zur Seite stehen könnten. Der bewährte Leistungskatalog und das Sachleistungsprinzip müssen auch zukünftig die Grundlage der zahnmedizinischen Versorgung in Deutschland sein, so der GKV Spitzenverband.

Mehr Transparenz gefordert
Die derzeitige Praxis der Rechnungsstellung im zahnmedizinischen Bereich stehen nach Auffassung des GKV Spitzenverbandes dem Anspruch einer umfassenden Transparenz im Gesundheitswesen entgegen. Die Krankenkassen erhielten bei der Abrechnung weder Name und Anschrift des Zahnarztes noch Rechnungen über die zahnärztlichen und zahntechnischen Privatleistungen, die bei ihren Versicherten erbracht wurden, auch wenn sie diese Leistungen bezuschusst hätten. Das mache es für die Kassen unmöglich, die Leistungen auf ihre Qualität hin zu prüfen und deren Abrechnung nachzuvollziehen. Die Kassen fordern daher, dass für alle Behandlungsfälle, für die von ihnen Kosten zu übernehmen sind, Rechnungskopien über die tatsächlich erbrachten Leistungen bei ihnen vorgelegt werden müssen.

Qualität stärker sichern
Bisher hätten im zahnmedizinischen Bereich eher Maßnahmen der Struktur- und Prozessqualität im Vordergrund gestanden, nun müsse es sehr viel stärker um die Sicherung der Ergebnisqualität gehen. Dazu sei es notwendig, wissenschaftliche Indikatoren zu entwickeln, die eine Vergleichbarkeit der zahnärztlichen Leistungen zwischen den Praxen über einen längeren Zeitraum ermöglichen. Qualitätsberichte, wie sie für die Krankenhäuser bereits vorgeschrieben sind, könnten für ein hohes Maß an Transparenz gegenüber den Versicherten und den Kassen sorgen. Dabei sprechen sich die Kassen dafür aus, auch Privatleistungen, für die sie Kosten übernehmen, in die Qualitätssicherung einzubeziehen.