10. Juli 2012

Ausbildung im Handwerk: Bilanz zum Stichtag

Handwerksbetriebe schließen Ausbildungsverträge immer früher ab. Die Bilanz zum Stichtag 30. Juni 2012 zeigt, dass 61.351 Ausbildungsverträge in die Handwerksrolle eingetragen wurden – das sind bundesweit 6 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Betriebe haben damit bereits rund 35 Prozent der für dieses Jahr erwarteten Gesamtzahl von Verträgen abgeschlossen – in den Jahren zuvor waren es zu diesem Zeitpunkt im Schnitt erst 28 Prozent des Endergebnisses.

„Alle Jugendlichen haben aber weiterhin die Chance auf einen Ausbildungsplatz in ihrem Wunschberuf im Handwerk“, erklärt Handwerkspräsident Otto Kentzler. Denn auch die Zahl der freien Ausbildungsplätze steigt. Aktuell werden allein in den Online-Börsen der Handwerkskammern 25.000 Lehrstellen angeboten.

Handwerkspräsident Otto Kentzler: „Die Handwerksbetriebe kämpfen um jeden Lehrling. Hier einige Beispiele: Die Kammern setzen vermehrt Spezialisten für das „Matching“ zwischen Betrieb und Auszubildenden ein; Coaches betreuen Betriebe und Auszubildende, um Abbrüchen vorzubeugen; Ausbildungsberater mit ausländischen Wurzeln betreuen ebensolche Ausbildungsbewerber. Dazu werben wir intensiv um Abiturienten, sprechen auch gezielt Studienabbrecher an und machen die Karrieremöglichkeiten im Handwerk transparent.“

In Westdeutschland ist angesichts des frühen Ferienbeginns in bevölkerungsstarken Bundesländern die Zahl der bereits abgeschlossenen Verträge zum 30. Juni um 6,8 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum gestiegen, in Ostdeutschland ist sie mit einem Plus von 0,1 Prozent auf dem Niveau des Vorjahres geblieben.

Neue Wege zeigen Wirkung

Die Informationsaktionen werden immer intensiver. Beispiele: Köln berichtet von einer mehrsprachigen Ausbildungsplatzbörse mit 700 Besuchern; die Handwerkskammer Hamburg moderierte ein „Azubi-Speed-Dating“ von 20 Betrieben mit 200 Bewerbern; die Handwerkskammer Erfurt wirbt im Rahmen der Landesaktion „Thüringen braucht dich“ um ältere Jugendliche ohne Berufsabschluss – erfolgreich, denn 180 Personen wollen eine betriebliche Ausbildung nachholen. „Vor allem aber steigt die Zahl der Projekte Schule-Handwerk und der Informationsaktionen im schulischen Bereich. Den Jugendlichen fehlt es an Berufsorientierung, die können unsere handwerklichen Organisationen im Verbund mit den Lehrern liefern“, bekräftigt Kentzler.