18. Juli 2012

Infektionsschutz in deutschen Krankenhäusern weiterhin verbesserungsbedürftig

Eine optimale Umsetzung von Hygienemaßnahmen wird in deutschen Krankenhäusern immer noch vor allem durch Personal-, Finanz- und Informationsmangel erschwert. Das ist das Ergebnis einer online basierten Umfrage zum Thema „Infektionsschutz in deutschen Krankenhäusern: Strategien und Standards“, die die Initiative Infektionsschutz im Frühjahr 2012 durchgeführt hat.

Über 1.860 Krankenhäuser wurden angefragt, an dieser Erhebung teilzunehmen. Ziel war es, einen aussagekräftigen Eindruck zu gewinnen, wie die Entscheidungsträger in deutschen Kliniken mit der Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben umgehen und welche Voraussetzungen in den Häusern gegeben sind.

„Die Umfrageergebnisse verdeutlichen die Situation deutscher Krankenhäuser: In einigen Bereichen des Hygienemanagements sind wir sehr gut aufgestellt“, betont Prof. Dr. Axel Kramer, Direktor des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald. „Um aber die Gesetzesvorgaben zu erfüllen, brauchen wir vor allem eines: mehr und wirklich gut ausgebildetes Hygienefachpersonal.“

Durchschnittlich bewerten die Teilnehmer der Umfrage die derzeitige allgemeine personelle Situation nach Schulnoten lediglich mit drei. Darüber hinaus geben über 60% der teilnehmenden Krankenhäuser mit über 400 Betten an, keinen hauptamtlichen Krankenhaushygieniker zu beschäftigen. Die Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention forderte das bereits 2009 in ihrer Empfehlung „Personelle und organisatorische Voraussetzungen zur Prävention nosokomialer Infektionen.“

Andere rechtliche Vorgaben werden bereits in der Mehrheit der Krankenhäuser umgesetzt. Im Bereich „Leitlinien und Standards“ sind die meisten Häuser schon gut aufgestellt, so verfügen bspw. über 99% der Häuser über eine Leitlinie zur Händehygiene und 85% über ein Notfallkonzept mit Sofortmaßnahmen bei MRE-Ausbrüchen. 91% der Häuser geben an, über eine Hygienekommission zu verfügen, deren personelle Zusammensetzung sich nach der entsprechenden Länderhygieneverordnung bzw. RKI-Richtlinie richtet.

„Die Arbeit der Hygienekommission ist vor allem für die Einhaltung der Hygienemaßnahmen vor Ort wichtig“, bekräftigt Dr. Dipl.oec. Colin M. Krüger, MBA, geschäftsführender Oberarzt der Klinik für Visceral- und Gefäßchirurgie am Vivantes Humboldt-Klinikum und Gesundheitsökonom. „Darüber hinaus sollte die Hygienekommission auch für die notwendigen Fortbildungen des Krankenhauspersonals Sorge tragen.“

Die Umfrageergebnisse zeigen gravierende Defizite im Bereich Screening. Lediglich die Hälfte der Häuser, die sich an der Umfrage beteiligt haben, führen ein MRSA-Screening gemäß KRINKO-Indikationen durch. 6% der Befragten antworten, nie ein Screening durchzuführen. Nachholbedarf besteht auch im Bereich des Mitarbeiterscreenings: so führen 51% kein Mitarbeiterscreening in Ausbruchssituationen durch.