01. August 2012

Was ist Komfort - und was braucht der Fuß vom Schuh? Einladung zum Passformsymposium

Was macht für Sie einen Komfortschuh aus? Antworten auf diese Frage zeigen häufig, dass es in Sachen Komfort zwar viele Schlagworte gibt, aber wenig klare Konzepte. Die Fachzeitschriften „Orthopädieschuhtechnik“ und „Komfortschuhe Spezial“ veranstalten am 18. und 19. September 2012 gemeinsam mit dem Leistenspezialist Fagus ein Symposium aus der Reihe FUSSFORM – PASSFORM – BESTFORM, auf dem Wissenschaftler, Schuhhersteller und Schuhhändler Wege zu besser passenden Schuhen diskutieren.

Mehrweitensystem“, „hochwertige, anschmiegsame Materialien“, „Klimaregulation“, „dämpfende Sohlen“, „Stretcheinsätze“, „Sohlen mit Funktion“, „Unterstützung beim Abrollvorgang“ – mit Aussagen wie diesen werden häufig Vorzüge von Komfortschuhen beworben. Doch wissen wir wirklich, wie passgerechte Schuhe aussehen sollten? Und ist das, was gemeinhin als komfortabel gilt, wirklich das, was der Fuß vom Schuh braucht? Auf dem gemeinsam vom C. Maurer Verlag und dem Leistenspezialisten Fagus veranstalteten Symposium, das sich an (Komfort-)Schuhhändler, Schuhhersteller und alle Passform-Interessierte wendet, werden verschiedene Annahmen diskutiert, hinterfragt und konstruktiv weitergedacht. Immer unter dem Aspekt: Was braucht der Fuß vom Schuh?

Ist „weich“ immer gut?
Eine besondere Dämpfung in der Sohle, zumindest eine gut gepolsterte Zwischensohle – das scheint für viele einen bequemen Schuh auszumachen. Dass der Fuß vor dem Aufprall auf den harten Boden durch ein Dämpfungssystem vor Überlastungen und Verletzungen geschützt werden muss, war auch bei Herstellern von Sportschuhen und in der Biomechanik über viele Jahre allgemein anerkannt. Doch verschiedenste Studien haben in der Sportschuhforschung zum Umdenken angeregt. Teilweise legten sie nahe, dass manche Dämpfungssysteme und Schuhkonstruktionen die natürlichen Dämpfungsmechanismen des Körpers behindern oder gar ausschalten. Prof. Gert-Peter Brüggemann, Leiter des Instituts für Biomechanik und Orthopädie an der Deutschen Sporthochschule Köln, beleuchtet, inwieweit sich die Erkenntnisse aus der Sportschuhforschung auf Komfortschuhe übertragen lassen.

Was passiert beim Gehen mit dem Fuß im Schuh?

Ein Schuh muss nicht nur im Stehen passen, sondern auch in der Schrittabwicklung der Fußform gerecht werden. Doch die Fußform verändert sich während des Gehens. Wie genau, stellt Dr. Timo Schmeltzpfenning, BSN Medical, vor. In seinem jüngst abgeschlossenen Forschungsprojekt an der Universität Tübingen gelang es erstmals, mit Hilfe eines dynamischen 3D-Scanners die dreidimensionale Form des Fußes in zeitlich hoher Auflösung beim Gehen zu erfassen. Aus diesen Daten lässt sich darauf schließen, wo und wann der Fuß beim gehen Platz im Schuh benötigt. Zuvor erklärt Dr. Oliver Ludwig, Experte für Gang- und Bewegungsanalyse, was den gesunden Gang ausmacht. Welchen Beitrag können Schuhe dazu leisten?

Wie lässt sich der Deutsche Fußreport in Leisten umsetzen?
Der 2009 veröffentlichte Fußreport liefert umfassende Daten über die Füße der Verbraucher und deren Passformbedürfnisse. Gibt es bezahlbare und praktikable Möglichkeiten für die Hersteller, der Weitenvielfalt der Füße gerecht zu werden? Damit befassen sich die Leiterin des Deutschen Fußreports, Dr. Monika Richter vom PFI Pirmasens, und Andreas Schmidt, Leistenmodelleur bei Fagus.

Funktionsschuhe nach dem Hype: als Schuhtyp unverzichtbar?

Die Insolvenz der Muttergesellschaft von MBT hat viele Händler und Hersteller beschäftigt. Ist dies das Ende von Funktionsschuhen mit Abrollsohle? Handelte es sich bei MBT, seinen zahlreichen Nachahmern und auch anderen Funktionsschuhkonzepten nur um eine Modewelle – oder um einen unverzichtbaren Schuhtyp, der auch jetzt noch Zukunft hat? Dr. Thomas Obens, Leiter des Privaten Instituts für Angewandte Biomechanik in Tübingen, schildert aus biomechanischer Sicht, was an den Werbebotschaften von Funktionsschuhen wirklich dran ist – und ob die Wirkung ihrer Sohlen weiterhin überzeugen kann.

Sind Passformkonzepte auf dem Rückzug?
Die Schuhkultur der letzten 20 Jahre hat sich zum Schlechten verändert, so die These von Peter Schleifer, Podologiezentrum Wien, in seinem Vortrag „Schuhleisten im Fokus der Zeitgeschichte“. Mit der von ihm weiterentwickelten „Podosohle“ und eigenen Leis­tenformen tritt er dafür ein, die Ursprungsstellung des Fußes wieder zur Maßgabe der Fuß- und Schuhversorgung zu machen. Vor dem Hintergrund seines breiten Erfahrungsschatzes im Austausch mit Herstellern und Händlern fragt der Podologe, Schlankweiten- und Passformspezialist: Welche Einflussfaktoren haben dazu geführt, dass sowohl Schuhhersteller als auch Händler ihr eigentlich vorhandenes fußanatomisches Wissen immer weniger berücksichtigen? Wie haben sie sich dabei gegenseitig beeinflusst – und was braucht der eine vom anderen, damit sich passgenaue Schuhe wieder auf dem Markt durchsetzen? Zur Diskussion mit dem Publikum wird eingeladen.

Wie lässt sich die Beratung im Komfortschuhhandel verbessern?

Damit der passende Schuh auch an den Fuß des Kunden gelangt, ist mehr nötig, als digitale Fußmaße und der passende Schuh. Es braucht den in der Beratung geschulten Schuhfachverkäufer, der die individuellen Bedürfnisse des Kunden erkennt und mit seiner Gesprächsführung überzeugt. Doch wie bringt man dem Kunden nahe, welcher Schuh der richtige für ihn ist? Schuhhändler Hermann Müller aus Messkirch hat sich vor allem auf Schlankweiten spezialisiert. Seine Passformberatung zieht Kunden aus ganz Deutschland und aus dem Ausland an.

Einladung zum Austausch
Auf dem Symposium wird es viele Möglichkeiten geben, gemeinsam ins Gespräch zu kommen und zu diskutieren. Am Vorabend des Symposiums, dessen Vorträge am 19. September stattfinden werden, gibt es ab 18:30 Uhr ein gemütliches Get-together im Fagus Werk, das Gelegenheit zum kollegialen Austausch bietet. In diesem lockeren Rahmen gibt es einen ersten Vortrag von Nike Breyer, die aus kulturwissenschaftlicher Sicht einen Blick auf die Geburt des modernen Schuhs wirft. Während des Symposiums besteht im Anschluss an alle Vorträge und in einer geleiteten Diskussion Gelegenheit, Fragen, Standpunkte und Anregungen einzubringen. Moderiert wird die Veranstaltung von Wolfgang Best, Chefredakteur der Orthopädieschuh­technik, und Claus Topp, Fagus.

Hier geht’s zum Programmablauf

18./19. September 2012
Ort: Fagus Werk
Hannoversche Straße 58
31061 Alfeld (Leine)


Teilnahmegebühr: 290 Euro,
inkl. Getränke und Mahlzeiten während der Tagung.


Fortbildungspunkte:
ZVOS 11
AGOS 12


Anmeldung:
C. Maurer Druck und Verlag
Schubartstraße 21
73312 Geislingen
Tel. 07331/9300
Fax: 07331/930191
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