09. Januar 2009

Korruption in der Hörgerätebranche nimmt zu

(8. 1. 2009) In der Hörgerätebranche gibt es einem Medienbericht zufolge immer mehr Korruption. Hals-Nasen-Ohren-Ärzte lassen sich offenbar dafür entlohnen, dass sie Hörgeräteakustikern Kundschaft zuschanzen, wie die Financial Times Deutschland am 8. Januar berichtete. Die Summen beliefen sich Experten zufolge auf bis zu 400 Euro pro Patient. Etliche Millionen Euro wanderten auf diese Weise vom Gesundheitshandwerker zum Mediziner. „Eine Art Korruptionsmentalität greift um sich“, sagte Peter Brammen, Geschäftsführungsmitglied der Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs. Es sei höchste Zeit, diesen Prozess zu stoppen. Der Anreiz zum Betrug werde in Zukunft noch größer werden: Der Hörgerätemarkt in Deutschland wachse unaufhörlich. Derzeit würden rund 1,3 Milliarden Euro mit Hörhilfen und damit verbundenen Dienstleistungen umgesetzt. Etwa 15 Millionen Menschen hätten hierzulande ein Hörproblem, aber nur zwei bis drei Millionen tragen ein Hörgerät. Wie viele HNO-Ärzte und Hörgeräteakustiker sich korrumpieren lassen, darüber gehen die Meinungen auseinander. „Etwa 50 Prozent sind sauber“, sagt Akustikermeister Johannes Brenninger aus Bad Homburg. Die andere Hälfte wende aus Profitgier unsaubere Methoden an. Eine Patientin des Akustikers hatte einen HNO-Arzt angezeigt, weil er ihr nur eine Verordnung für ein Hörgerät geben wollte, wenn sie damit zwei bestimmte Akustiker aufsuche. Bei der Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main läuft derzeit ein Verfahren gegen diesen Mediziner wegen des Verdachts auf Nötigung und Betrug. Mit einem Gesetzesparagrafen, der am 1. April 2009 in Kraft tritt, sollen sogenannte Kickback-Geschäfte eingedämmt werden, die auch in anderen Branchen wie etwa der Orthopädie überhandgenommen hätten. Danach dürfen Akustiker künftig weder an HNO-Ärzte etwas zahlen noch ihnen wirtschaftliche Vorteile gewähren. Ärzte, die den verkürzten Versorgungsweg einschlagen, müssten Einzelverträge mit den Kassen abschließen. Und sollten den Kassen Unregelmäßigkeiten auffallen, müssten sie Mediziner an die Ärztekammer melden.