21. August 2012

Spectaris: Preisdumping bei der Hilfsmittelversorgung kostet Arbeitsplätze und Fachwissen

Der Industrieverband Spectaris hat davor gewarnt, dass die derzeitige Ausschreibungspraxis in der Hilfsmittelversorgung dazu führe, dass Unternehmen ihre Produktion ins Ausland verlagern. Dies sei ein logischer Schritt, da die Vergütung im Ausland inzwischen häufig besser sei als in Deutschland. Anlass für die kritische Mahnung von Spectaris war die Meldung, dass die Hoffrichter Medizintechnik GmbH einen Teil der Produktion ins asiatische Ausland verlagern müsse.

Die Medizintechnikbranche in Deutschland sei geprägt vom Mittelstand, so Spectaris, Betriebe mit 130 Mitarbeitern zählten hier bereits zu den Großen. „Wenn ein solches Unternehmen seine Produktion ins Ausland verlagert, weil die Vergütung eine Produktion am Heimatmarkt nicht mehr zulässt, dann sollten auch Gesundheitspolitiker und Krankenkassen hellhörig werden,“ kommentiert Jan Wolter, Leiter des Fachverbands Medizintechnik im Industrieverband Spectaris, den Weggang von Hoffrichter, einem Hersteller von Atemtherapie- und Beatmungsgeräten. 40 Mitarbeiter müssen am Standort Schwerin das Unternehmen Hoffrichter verlassen.

Ausschreibungspraxis: Preis geht vor Qualität
Ausschreibungen hätten auch vor komplexeren respiratorischen Versorgungen – einem der Kerngeschäfte der Firma Hoffrichter – nicht halt gemacht. Zuschlagskriterium sei auch hier der niedrigste Preis. „Qualität spielt bei vielen Ausschreibungen kaum eine Rolle. Je billiger desto besser,“ so Wolter. Problematisch sei, dass Krankenkassen bei Ausschreibungen kaum eine Preisuntergrenze einzögen, um „unlautere Angebote“ ausschließen zu können. „Damit erhalten Unternehmen den Zuschlag, die zum Teil nicht die Anforderungen halten können, die in der Ausschreibung gefordert wurden – zulasten der Patienten. Zulasten aber auch der unterlegenen Wettbewerber. Wenn Qualitätsprodukte „Made in Germany“ nicht mehr vergütet werden, müssen Standorte geschlossen werden“, so Spectaris.

Die Vergütung im Ausland sei inzwischen vielerorts besser als in Deutschland, die Produktionsverlagerung damit ein logischer Schritt. Ohne ein Umdenken bei Politik und Krankenkassen bestehe die Gefahr, dass Deutschland seine weltweite Spitzenstellung in der Medizintechnik und langfristig eine weitere Zukunftsbranche ans Ausland verliert. „Zu glauben, dem deutschen Gesundheitswesen ginge es besser, wenn sämtliche medizinischen Hilfsmittel billig aus China kommen, statt zu realistischen Preisen von deutschen Anbietern, ist ein fataler Irrtum, den wir alle teuer bezahlen werden,“ so Wolter.