29. August 2012

Der alte Mensch im Mittelpunkt - Wunsch oder Realität im Pflegeheim?

"Der alte Mensch im Mittelpunkt": Wie wird dieser Wunsch zur Wirklichkeit im Pflegeheim? Die Deutsche Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP) und der Deutsche Hospiz- und PalliativVerband (DHPV) fordern adäquate Hospiz- und Palliativversorgung für hochbetagte schwerstkranke und sterbende Menschen in Pflegeeinrichtungen. Dazu stellten sie am 27. August in Berlin ein „radikal bewohnerorientiertes“ Grundsatzpapier vor.

„Die weiter wachsende Zahl hoch betagter Menschen stellt unsere Gesellschaft vor eine der größten Herausforderungen. Viele von ihnen werden auch zukünftig in Pflegeheimen betreut werden. Sie alle haben ein Recht darauf, in Würde zu leben und zu sterben. Darauf müssen nicht nur die Pflegeheime reagieren, auch Selbstverwaltung, Bund, Länder und Kommunen müssen die notwendigen rechtlichen Rahmenbedingungen für die Umsetzung schaffen,“ so Dr. Birgit Weihrauch, Vorstandsvorsitzende des Deutschen Hospiz- und PalliativVerbands, anlässlich Vorstellung des Grundsatzpapiers „Betreuung schwerstkranker und sterbender Menschen im hohen Lebensalter in Pflegeeinrichtungen“.

Prof. Dr. Friedemann Nauck, Präsident der DGP, erklärte ergänzend dazu: „Zu einer würdevollen Betreuung am Lebensende in Pflegeheimen gehören die Behandlung und Linderung von Schmerzen und weiteren körperlichen Symptomen, die umfassende palliativpflegerische Versorgung sowie die psychosoziale und spirituelle Begleitung. Wir müssen Bewohner und ihre Angehörigen mit ihren Sorgen und Ängsten in den Pflegeheimen ernst nehmen und ihnen alle Möglichkeiten der Unterstützung und Entlastung bieten. Der alte Mensch muss im Pflegeheim im Mittelpunkt stehen.“

DGP und DHPV fordern, dass die Begleitung, Pflege und Behandlung sterbender Menschen und ihrer Angehörigen als eine der wichtigsten Säulen der Arbeit von Pflegeeinrichtungen anerkannt werden und im Sinne von Hospizkultur und Palliativkompetenz in die grundlegende Philosophie der Einrichtungen integriert wird. „Um dies zu erreichen, müssen Strategien und Rahmenbedingungen entwickelt werden, um die personellen und finanziellen Voraussetzungen in den Heimen zu schaffen“, so Meike Schwermann (DGP), Sprecherin der gemeinsamen Arbeitgruppe der Verbände. Gerda Graf (DHPV), ebenfalls Sprecherin, ergänzte: „Wir müssen die Pflegeheime bei der Umsetzung unterstützen, indem wir dafür Sorge tragen, dass sie in die vernetzte Versorgung sterbender und schwerstkranker Menschen eingebunden werden“.

DHPV und DGP boten auf der Pressekonferenz in Berlin an, zusammen mit den Bundesverbänden der Träger von Altenpflegeeinrichtungen ihre Expertise in die politische Diskussion einzubringen. Sie halten es für dringend erforderlich, gemeinsam mit der Gesundheits- und Familienpolitik der Bundesregierung sowie den Organisationen und Institutionen des selbstverwalteten Gesundheitssystems die konzeptionellen Grundlagen für die notwendige Weiterentwicklung der Strukturen im Gesundheitswesen einschließlich der gesetzlichen Rahmenbedingungen zu entwickeln.

Das Grundsatzpapier und der Forderungskatalog sind auf der Internetseite der Verbände unter www.palliativmedizin.de und unter http://www.dhpv.de/themen_stationaere-altenpflege.html direkt herunterzuladen.