29. August 2012

Chirurgie ist mehr als Operieren

Patient verwechselt, falsche Seite operiert, heftige Schmerzen und Erbrechen nach dem Eingriff, Komplikationen durch Nahrungsentzug und Immobilisation: Um dies zu vermeiden, arbeiten Chirurgen mit einem Netzwerk von Experten rund um die Operation zusammen. Wie sich die Chirurgie noch sicherer machen lässt, diskutieren die Arbeitsgemeinschaften der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für klinisches Prozessmanagement (DGKPM) auf ihrer Jahrestagung „Chirurgie ist mehr als Operieren“ vom 30. August bis 1. September 2012 in Berlin.

„Gute Chirurgie besteht nicht nur aus der fachgerecht durchgeführten Operation, sie ist vielmehr das Ergebnis einer engen Teamarbeit des Chirurgen mit Schmerztherapeuten, Intensiv- und Notfallmedizinern, Pflegekräften, Physiotherapeuten und Experten aus Qualitäts- und Sicherheitsmanagement“, betonen Professor Dr. med. Hartwig Bauer, langjähriger DGCH-Generalsekretär, Berlin, und Professor Dr. med. Axel Ekkernkamp, Greifswald, als Leiter der Tagung.
 
Orientiert an den Befunden, dem Gesamtzustand und der Belastbarkeit sowie den individuellen Bedürfnissen und Präferenzen des Patienten entscheidet der Operateur, ob ein Eingriff notwendig ist und wählt das geeignete Verfahren aus. Er veranlasst auch die Betreuung vor, während und nach der OP und empfiehlt Rehabilitation und Nachsorge. „Das bedeutet aber nicht, dass der Chirurg bei der heute unverzichtbaren Spezialisierung alle Leistungen selbst erbringen muss“, erläutert Professor Bauer. Um diese Abläufe um eine Operation zu verbessern, unterhält die DGCH verschiedene chirurgische Arbeitsgemeinschaften: Die Arbeitsgemeinschaft für Qualität und Sicherheit (CAQS), für Akutschmerz (CAAS), für Perioperative Medizin (CAPM) und für Intensiv- und Notfallmedizin (CAIN) bündeln die chirurgischen Kompetenzen auf diesen Gebieten.

Seit 20 Jahren arbeitet die CAQS für mehr Qualität und Sicherheit von Operationen und an einer Minimierung der Fehlerquote im gesamten Behandlungsablauf. Dazu zählt der Einsatz von Checklisten für die OP oder für den Umgang mit gefährlichen, multiresistenten Keimen sowie die Sicherheit von Medizinprodukten. Ziel der CAAS ist das „schmerzfreie Krankenhaus“: Hielten Ärzte sich früher – etwa bei Unfallpatienten oder akuten chirurgischen Erkrankungen – mit der Gabe von Schmerzmitteln zurück, um in der Diagnostik nichts zu „verschleiern“, stillen sie heute als Erstes die Schmerzen des Patienten. Die von der CAAS empfohlenen Konzepte sollen den Patienten nicht nur unnötige akute Schmerzen ersparen. Indem sie eine raschere Mobilisation des Patienten erlauben, verhindern sie auch Komplikationen wie Thrombosen oder Lungenentzündungen.

Insbesondere bei Schwerverletzten und frisch Operierten gilt es, die Organfunktionen sorgfältig zu überwachen. Die Weiterentwicklung und Umsetzung der neuesten Behandlungsstandards ist Aufgabe der CAIN. An allen Fragen der perioperativen Versorgung arbeitet die CAPM. Sie untersucht beispielsweise, wann eine Vorbeugung durch Antibiotika sinnvoll ist. Die von der DGKPM entwickelten klinischen Ablaufpfade sorgen schließlich für standardisierte, dokumentierte Prozesse – vom Erstkontakt des Patienten mit der Klinik bis zur Entlassung. Bei alledem geht es auch wesentlich darum, wie sich Erkenntnisse der evidenzbasierten Medizin am Krankenbett umsetzen lassen und wie sich der Patient in Entscheidungen einbeziehen lässt.

Neben zahlreichen Vortragssitzungen und Workshops zu diesen Themen diskutieren die Teilnehmer auf der gemeinsamen Jahrestagung auch über die politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen „guter Medizin“.

Weitere Infos und Programm unter: www.dgch.de/deutsch/veranstaltungen.