12. September 2012

Pflege-Organisationen fordern höhere Zugangsvoraussetzung für die Krankenpflegeausbildung

In einem offenen Brief haben sich Vertreter von vier bundesweit tätigen Einrichtungen und Organisationen der Pflegewissenschaft und -forschung dafür ausgesprochen, die Zugangsvoraussetzungen zur Pflegeausbildung anzuheben - von zehn auf zwölf Jahre allgemeinbildende Schule bzw. einen vergleichbaren Abschluss.

Zu den Organisationen gehören das Deutsche Institut für angewandte Pflegeforschung e.V. (dip), die Deutsche Gesellschaft für Pflegewissenschaft (DGP), das Deutsche Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) und die Dekanekonferenz Pflegewissenschaft. Das Schreiben ist an alle 99 deutschen Parlamentarier nach Brüssel gesandt worden. Demnächst beginnen dort die parlamentarischen Beratungen zur geplanten Änderung der EU-Richtlinie, in der u.a. die automatische Anerkennung von Berufsabschlüssen in der EU geregelt ist.

In ihrer Stellungnahme begrüßen die Organisationen den Reformansatz der EU-Richtlinie im Hinblick auf die Anhebung der Zugangsvoraussetzungen für die Krankenpflegeausbildung ausdrücklich und sprechen sich für eine entsprechend zeitnahe Umsetzung in Deutschland aus. Sie argumentieren, dass die internationale Studienlage auf Zusammenhänge zwischen Qualifikation des Pflegepersonals und Qualität der Versorgung hinweist. Dort wo ein besonders guter Personalmix besteht, seien die Risiken in der Patientenversorgung geringer.

Aufwertung der Pflege soll Fachkräftemangel entgegenwirken

Für falsch und gefährlich halten die Autoren das Hauptargument der zahlreichen Gegner der Reform aus Deutschland, dass die Anhebung der Zugangsvoraussetzungen den Fachkräftemangel in der Pflege noch verstärken würde.
In ihrer Stellungnahme weisen die Autoren im Gegensatz darauf hin, dass der Fachkräftemangel in der Pflege in den letzten 15 Jahren auch durch Fehler und Versäumnisse der Politik entstanden sei und nun dramatische Züge annehme. Nur durch eine entschiedene Aufwertung der Pflege, durch mehr und bessere Aus- und Weiterbildung und durch bessere Arbeitsbedingungen und angemessene Vergütungen sei das Rekrutierungsproblem und der Fachkräftemangel in der Pflege in den Griff zu bekommen.

24 von 27 EU-Mitgliedsstaaten haben die Anhebung der Zulassungsvorausseztung zur Pflegeausbildung bereits vollzogen.

Die Stellungnahme kann unter www.dip.de heruntergeladen werden.