25. September 2012

Regiopraxis gegen Ärztemangel

Die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) hat in Stuttgart den Versorgungsbericht 2011 vorgestellt. Noch bescheinigten die Zahlen Baden-Württemberg eine gute ambulante medizinische Versorgung. Doch auf der Landkarte gebe es die ersten weißen Flecken. Mit dem Praxismodell „regiopraxis KVBW“ versucht die Kassenärztliche Vereinigung dem Ärztemangel entgegenzuwirken. Die erste „regiopraxis KVBW“ ist jetzt eröffnet worden.

Versorgungslücken schon in den nächsten Jahren


„Viele Ärzte wollen sich bereits seit längerer Zeit aus dem Berufsleben zurückziehen, finden aber keine Nachfolger für ihre Praxen“, legte Dr. Johannes Fechner, stellvertretender Vorsitzender der KVBW, dar. „Aufgrund dieser Entwicklung können in den nächsten vier Jahren etwa 500 Praxen nicht nachbesetzt werden. Das bedeutet Lücken in der hausärztlichen Versorgung, welche Patienten und verbleibende Ärzte gleichermaßen treffen.“ Fechner erläuterte bei der Präsentation des Versorgungsberichts 2011 die Ursachen dieser Entwicklung: „Besonders das Einzelunternehmertum schreckt viele Interessierte ab. Im ambulanten Bereich wünschen sich junge Ärztinnen und Ärzte heute verstärkt Kooperationen und Teamarbeit. Inzwischen sind 60 Prozent der Studienanfänger im Medizinstudium Frauen. Vor diesem Hintergrund gewinnt auch eine ausgewogene Work-Life-Balance mit flexiblen Arbeitszeiten und der Vereinbarkeit von Familie und Beruf zusätzlich an Bedeutung. Hier ist der Arzt in der EinzelpraxMit dem Zusammenschluss der Gemeinschaftspraxis Klumpp/Krampitz und der Praxis Dr. Seitz zu der Praxisgemeinschaft „Hausärzte am Spritzenhaus“ wurde in Baiersbronn bereits die erste „regiopraxis KVBW“ eröffnet. Mit enormer Fläche und geringer Bevölkerungsdichte eignet sich die Kommune im Schwarzwald nach Ansicht der KVBW hervorragend für einen solchen Modellversuch – sie wäre in naher Zukunft von Unterversorgung bedroht gewesen. is benachteiligt.“

Erste „regiopraxis KVBW“ ist eröffnet

Mit dem neuartigen Versorgungsmodell „regiopraxis KVBW“ will die Kassenärztliche Vereinigung auf die veränderten Umstände reagieren, um die ambulanten Versorgung im Land auch weiterhin zu gewährleisten: „Wir initiieren eigene Ärztezentren, die besonders auf die Strukturen im ländlichen Raum zugeschnitten sind. Diese Zentren sind hausärztlich orientiert, bieten aber auch Fachärzten – wie etwa Frauenärzten – die Möglichkeit, im Rahmen einer Nebenbetriebsstätte tätig zu werden. Der Arzt in der „regiopraxis KVBW“ hat den Vorteil, dass er die finanzielle Verantwortung für die Praxis nicht mehr alleine übernehmen muss, sondern sie mit anderen teilen kann.“

Mit dem Zusammenschluss der Gemeinschaftspraxis Klumpp/Krampitz und der Praxis Dr. Seitz zu der Praxisgemeinschaft „Hausärzte am Spritzenhaus“ wurde in Baiersbronn bereits die erste „regiopraxis KVBW“ eröffnet. Mit enormer Fläche und geringer Bevölkerungsdichte eignet sich die Kommune im Schwarzwald nach Ansicht der KVBW hervorragend für einen solchen Modellversuch – sie wäre in naher Zukunft von Unterversorgung bedroht gewesen.

Die KVBW fördert Regiopraxen innerhalb der ersten drei Jahre durch Zuschüsse. Allerdings müssen sich diese dafür einem Kodex verpflichten, der für die Praxisausstattung und Praxisführung eine definierte Qualität vorschreibt. Grundsätzlich seien Regiopraxen auch durch das Förderprogramm „Landärzte“ des Landes Baden-Württemberg förderungsfähig, wenn die Fördervoraussetzungen vorliegen. „Beide Fördermaßnahmen ergänzen sich hervorragend“, lobt Fechner. „Nur gemeinsam mit allen Akteuren können wir es schaffen, die ambulante medizinische Versorgung auch in Zukunft sicherzustellen.“