04. Oktober 2012

Die meisten Amputationen in Deutschland sind Folge von Diabetes - und ließen sich verhindern

Aus Anlass des Europäischen Diabetes Kongresses vom 1. - 5. Oktober in Berlin weist die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) auf die erschreckend hohe Zahl von Amputationen in Deutschland hin. Von den 60.000 Amputationen jährlich seien ca. 40.000 die Folge von Diabetes. Damit liege Deutschland bei der Amputationsrate international im oberen Bereich. Experten gingen davon aus, dass ca. 80 Prozent davon vermeidbar wären. Voraussetzung dafür wäre eine optimale Blutzuckereinstellung, die frühzeitige Behandlung des diabetischen Fußsyndroms und eine bessere Vernetzung der verschiedenen ärztlichen und nichtärztlichen Spezialisten im ambulanten und stationären Sektor.

Von den ca. 40.000 Amputationen als Folge des diabetischen Fußsyndroms erfolgten ungefähr die Hälfte oberhalb des Sprunggelenkes. Diese sogenannten "Majoramputationen" stellten eine deutlich stärkere Beeinträchtigung als Amputationen unterhalb des Sprunggelenkes dar. Die Aussichten dieser Patienten seien schlecht: Innerhalb von vier Jahren würden mehr als die Hälfte der bereits einseitig amputierten Patienten auch auf der Gegenseite amputiert.

Wie kann die Situation verbessert werden?

Entscheidend sei eine fach- und sektorenübergreifende Struktur, so die DDG, die ärztliche Spezialisten wie Diabetologen, Gefäßchirurgen, Radiologen oder Orthopäden sowie Diabetesberater, Wundassistenten, Ernährungsberater, Podologen oder Orthopädie-Schuhmacher miteinander vernetzt - und zwar in einem vor- und nachstationären Verbund. Wichtig sei es, in spezialisierten Einrichtungen die personelle und räumliche Ausstattung auf diese Patienten auszurichten. Dazu gehöre auch, Standards und Qualitätsprozeduren einzuhalten und die Behandlungsqualität regelmäßig zu überprüfen.

"Wir wissen heute, dass in spezialisierten Einrichtungen deutlich bessere Behandlungsergebnisse zu erzielen sind", bestätigt Professor Dr. Ralf Lobmann, Sprecher der Arbeitsgemeinschaft Diabetischer Fuß in der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG). Die medizinisch-wissenschaftliche Fachgesellschaft zertifiziere seit fast zehn Jahren Kliniken und Praxen für die Behandlung des diabetischen Fußsyndroms. Seitdem gebe es dort eine konstant niedrige Rate von unter vier Prozent der hohen (oberhalb des Sprunggelenkes) Amputationen. Diese Ergebnisse hätten auch dazu geführt, dass das Versorgungsmodell der DDG exemplarisch in die nationale Versorgungsleitlinie aufgenommen worden sei.