10. Oktober 2012

Orthopäden und Unfallchirurgen warnen vor Unterversorgung und Nachwuchsmangel

Die Zahlen junger Fachärztinnen und –ärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie sind in den letzten Jahren deutlich gesunken, zudem sei die Ausbildung der Medizinstudierenden in Diagnostik und Therapie von Verletzungen und Erkrankungen der Haltungs- und Bewegungsorgane unzureichend. Darauf weisen Vertreter der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) und des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie e. V. (BVOU) hin.

Um Medizinstudierende für ihre gemeinsame Disziplin zu gewinnen, bieten die Veranstalter des Deutschen Kongresses für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) in Berlin am 25. Oktober einen „Tag der Studierenden“ an. Sie erhalten an diesem Tag kostenfreien Eintritt zum Kongress.

Die Lehre in Orthopädie und Unfallchirurgie nehme durchschnittlich 38,4 Vorlesungsstunden und weitere 55,9 praxisbezogene Lehrveranstaltungsstunden während des Medizinstudiums in Anspruch. Damit umfasse sie weniger als sechs Prozent des gesamten Studiums. Gleichzeitig aber nehmen Muskel-Skelett-Erkrankungen stetig zu. Mit fast 30 Milliarden Euro Krankheitskosten stehen sie an vierter Stelle aller Erkrankungen in Deutschland, so die Verbände.

„Das ist alarmierend“, sagt Professor Dr. med. Fritz Uwe Niethard, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC) und stellvertretender Generalsekretär der DGOU. „Aufgrund von im Studium unzureichend vermittelter Kenntnisse können künftige Allgemeinmediziner und andere fachfremde Ärzte muskuloskeletale Beschwerden schnell verkennen oder unterschätzen. Die Folge: Fehldiagnosen und daraus resultierende Folgeerkrankungen.“ Deshalb sei es einerseits wichtig, allen Medizinstudierenden mehr Basiswissen über orthopädische und unfallchirurgische Diagnostik und Therapie zu vermitteln. „Andererseits müssen mehr Anreize für die Facharztweiterbildung geschaffen werden, um für ausreichend Nachwuchs in Orthopädie und Unfallchirurgie zu sorgen“, fordert Dr. med. Andreas Gassen, Vizepräsident des BVOU.

Bürokratie verdrängt medizinische Inhalte

Die im Fach Orthopädie und Unfallchirurgie derzeit angebotene Versorgungsqualität in Klinik und Praxis bis hin zur Rehabilitation gerate in Gefahr, wenn der Nachwuchs ausbleibe. „Ein großer Teil des Nachwuchses geht unserem Fach bereits während des Medizinstudiums verloren“, so Professor Dr. med. Hartmut Siebert, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) und der DGOU. „Verschiedene Untersuchungen haben gezeigt, dass noch bis zur PJ-Zeit annähernd 40 Prozent der Studierenden den Wunsch äußern, ein chirurgisches Fach zu ergreifen. Nach dieser Zeit sind es dann allerdings nur noch 17 Prozent.“ Dieser Einbruch sei darauf zurück zu führen, dass im PJ, und danach im klinischen Alltag der ärztlichen Weiterbildung, nicht die Inhalte des Faches im Mittelpunkt stünden, sondern der bürokratische Alltag. „Statistiken zeigen, dass Ärzte für diese nicht-ärztlichen Tätigkeiten bis zu 40 Prozent ihrer Arbeitszeit aufwenden müssen“, so Siebert.

„Tag der Studierenden“ auf dem DKOU

Um junge Mediziner über das gemeinsame Fach Orthopädie und Unfallchirurgie zu informieren, bieten die DKOU-Tagungspräsidenten Professor Dr. med. Wolfram Mittelmeier, Professor Dr. med. Christoph Josten und Dr. med. Andreas Gassen am Donnerstag, den 25. Oktober 2012, einen „Tag der Studierenden“ auf dem Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie an. Die Teilnehmer werden vom „Jungen Forum“, der Nachwuchsorganisation der DGOU, durch die Welt der Wissenschaft und Forschung geführt, über Berufspolitik informiert und durch die große Industrieausstellung begleitet. Die Studierenden haben dabei die Gelegenheit, die Kongresspräsidenten kennenzulernen, Fragen zu stellen und mit ihnen über das Fach der Orthopädie und Unfallchirurgie zu diskutieren. Interessierte können sich über ein Formular im Internet anmelden.

Hier gehts zur Anmeldung