16. Oktober 2012

Verbraucherzentralen sehen unseriöse Praktiken beim Verkauf von IGeL

Die Verbraucherzentralen haben den Umgang von Ärzten mit Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL) scharf kritisiert. Häufig würden Patienten massiver Werbung aufgesetzt und nicht in der vorgeschriebenen Weise aufgeklärt. Die Abrechnung erfolge oft ohne Vertrag oder Rechnung. Die Verbraucherzentralen berufen sich dabei auf ihre bundesweite Online-Umfrage von April bis Juni 2012, an der sich mehr als 1.700 Verbraucher beteiligten.

Die Umfrage ergab, dass Ärzte Verbrauchern besonders häufig eine Glaukomfrüherkennung, Ultraschall, den PSA-Test und zahnärztliche Behandlungen verkaufen. Mit 82 Prozent der IGeL kamen die meisten Behandlungen nicht auf Initiative der Patienten zustande, obwohl eine Selbstverpflichtung der Ärzte das vorsieht. In fast jedem zweiten Fall (49 Prozent) war das Praxispersonal direkt am Verkauf beteiligt.

Nur jeder vierte Patient (23 Prozent) erinnerte sich daran, dass er über Risiken aufgeklärt wurde; über den individuellen Nutzen fühlte sich nur jeder Zweite (53 Prozent) informiert. Ausreichende Bedenkzeit gab es auch nur in jedem zweiten Fall (51 Prozent). Eine Kosteninformation vorab fehlte bei jedem Vierten (24 Prozent), bei jedem Fünften auch die Rechnung (20 Prozent).

Besserer Schutz durch Patientenrechtegesetz
Einen besseren Schutz gegen unseriöse Praktiken beim Verkauf von IGeL hätte das Patientenrechtegesetz bringen sollen, mit dem sich der Gesundheitsausschuss des Bundestags in einer öffentlichen Anhörung am 22. Oktober beschäftigt, so die Verbarucherzentralen. Gerd Billen, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv), sieht erheblichen Nachbesserungsbedarf am Entwurf: „Die Politik muss Ärzte unmissverständlich verpflichten, Patienten umfassend über das Für und Wider, die Behandlungsalternativen und Kosten zu informieren.“

Damit unterstreicht der vzbv entsprechende Ergänzungen des Gesetzes, die der Bundesrat vorgeschlagen hat. Zudem fordert der vzbv, dass Behörden und Kammern Rechtsverstöße konsequent verfolgen. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) mit Vertretern aus Ärzteschaft, Kassen und Verbänden solle zügiger entscheiden, für welche Leistungen die Krankenkassen zahlen.