21. November 2012

Kentzler: „Tausende Betriebe werden einen Nachfolger suchen“

"Das Handwerk braucht gut ausgebildete Fachkräfte. Im Gegensatz zu Akademikern können diese nicht in Drittstaaten angeworben werden, sondern müssen selbst ausgebildet werden“, betonte ZDH-Präsident Otto Kentzler. Zum Problem der Fachkräftesicherung äußerte er sich in einem Interview einer Beilage des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales in der Novemberausgabe der Fachzeitschrift „journalist“.

Mit Erfolg kläre bereits die Imagekampagne Jugendliche über die modernen und zukunftsträchtigen Berufe des Handwerks auf. Betriebe kümmerten sich zudem intensiv um Weiterbildung der Belegschaft, würden familienfreundliche Arbeitsbedingungen für junge Väter und Mütter schaffen und ältere Fachkräfte länger in Beschäftigung halten, sagte Kentzler.

„ Das Bild vom Handwerk braucht ein Update“, forderte der ZDH-Präsident jedoch. Vielen Schulabgängern sei nicht bewusst, dass das Handwerk heutzutage innovative Techniken und Materialien sowie modernste Computertechnik einsetze. Auch der persönliche, menschliche Umgang spreche für einen handwerklichen Beruf.

Inzwischen, so Kentzler, seien acht Prozent der Auszubildenden im Handwerk Abiturienten.  Karrieremöglichkeiten und die Aussicht auf Selbstständigkeit würden den Start ins Handwerk attraktiver als früher machen. Besonders in den medizinnahen Berufen  (Augenoptiker, Orthopädiemechaniker, Zahntechniker) sei der Anteil an Abiturienten deutlich gestiegen. „Handwerkliche und akademische Ausbildung schließen sich ja nicht aus“, äußerte Kentzler. Seit Mitte der neunziger Jahre sei die Zahl der dualen Studiengänge auf über 700 gestiegen.

Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, sollen in Zukunft Menschen mit Migrationshintergrund stärker beruflich integriert werden. „ Das beginnt damit, dass wir Handwerksmeister mit ausländischen Wurzeln als Vorbilder in die Schulen schicken, um Lust auf eine Lehre im Handwerk zu machen. Handwerkskammern in Großstädten stellen vermehrt Berater mit beispielsweise türkischen Sprachkenntnissen ein, um die Familien zu erreichen“, beschrieb Kentzler die Aktivitäten des Handwerks.

Auf die Frage, ob die Schüler wirklich schlechter als früher seien, antwortete Kentzler schlagfertig: „ Jedenfalls sind sie nicht dümmer als früher. Denn viele Jugendliche – auch mit schwachen Noten – starten in der Ausbildung oft durch."  © sw/orthopädieschuhtechnik

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