29. November 2012

ZVOS: Die Branche diskutiert Zukunftsthemen

Auf sehr positive Resonanz stießen die ersten Zukunftstage des Zentralverbandes Orthopädieschuhtechnik am 21. und 22. November in Berlin. Jeweils 120 Teilnehmer diskutierten an beiden Tagen die künftigen Entwicklungen im Gesundheitsmarkt und wie sich die Orthopädieschuhtechniker darauf einstellen können.

Unternehmensberater Peter Maria Müller zeigte auf, welche Fragen die Orthopädieschuhtechnik angesichts der demografischen Entwicklung und der Veränderung der sozialen Strukturen des Seniorenmarkts zu bedenken habe. OSM Herbert Türk akzentuierte die Defizite in den derzeitigen Versorgungsstrukturen von Diabetes-Patienten. Für Patienten wie auch für Orthopädieschuhmacher seien Netzwerke zukunftsweisend, die sich auf die interdisziplinäre Behandlung von Diabetes-Patienten spezialisiert haben.

Dass die Kosteneffizienz und Evidenz im stetig wachsenden Gesundheitsmarkt im Mittelpunkt stehen werden, zeigte Rolf Stuppardt, Berater im Gesundheitswesen und ehemaliger Vorstand des IKK-Bundesverbandes. Er legte dar, warum es neue Hilfsmittel immer schwerer haben, in den Leistungskatalog der Krankenkassen aufgenommen zu werden – und dass der „zweite Gesundheitsmarkt“ für Selbstzahler weiter wächst. Mit der Frage, wie sich der Freiverkauf gegenüber dem Rezeptmarkt in der Orthopädieschuhtechnik entwickeln wird, befasste sich OSM Jürgen Stumpf.

Zukunftsfähige Standbeine

Weitere Vorträge gingen auf ganz unterschiedliche Bereiche ein, in denen die Orthopädieschuhtechnik lukrative Standbeine entwickeln kann. Mit der Sicherheitsschuhversorgung beispielsweise beschäftigten sich OTM Pascal Horn und OSM Nico Malms. Wie die Sportlerversorgung zu einem Imagewandel der OST beitragen kann, erläuterten der ehemalige Weltklasseturner und Bundestagsabgeordnete Eberhard Gienger und OSM Stephan Woltring. Woltring zeigte auch die sensomotorische Einlagenversorgung als lohnendes Standbein der OST auf. Wie das sensomotorische Einlagen- und Gesamtkonzept von Footpower dem zukünftigen Patientenmarkt gerecht werde, erläuterten später Marc Scheiner und OSM Alexander Steinicke.

Welche Möglichkeiten es gibt, sich im wachsenden Komfortschuhbereich stärker aufzustellen, erklärten Stefan Yoon von Ganter und OSM Hartmut Schühle. Dipl.-Ing. Ingo Hausdorf, Hardo-Maschinenbau, präsentierte die Möglichkeiten auch bei unterschiedlichsten Platzverhältnissen in der Werkstatt durch moderne Maschinen und ergonomisch gestaltete Arbeitsplätze für ein gesundes Arbeitsklima zu sorgen. Wie man als kleiner Betrieb innovative Ideen umsetzen kann und welche Förderprogramme und Zuschüsse es gibt, erörterte Thoralf Kahlert, Fa. Pumacy.

Einsatzmöglichkeiten moderner Medien und Kommunikationsformen in der Orthopädieschuhtechnik veranschaulichten Werbeprofi Georg Sislak und OSM Axel Ruppert. Jan Pfalzer von der Firma Beil bot die Hilfe und Dienstleistungen bei schwierigen oder selteneren Versorgungen in der Kunststoffverarbeitung an.

Podiumsdiskussion: Mehr Gehör finden

Welche Möglichkeiten haben die Gesundheitshandwerke, die Leistungsentwicklung im Hilfsmittelbereich mitzugestalten? Diese Frage stand im Mittelpunkt einer Podiumsdiskussion mit Gernot Kiefer, Vorstandsmitglied im GKV-Spitzenverband, Holger Schwannecke, Generalsekretär des ZDH, Dr. Michael Gabel sowie OSM Uwe Petters und OSM Herbert Türk.

In der Diskussion zeigte sich, dass das Handwerk zwar hohe Kompetenz in der Hilfsmittelversorgung besitzt, diese aber bei den Krankenkassen, dem Medizinischen Dienst oder in der Politik bislang wenig Gehör findet. Mit ihrem Anliegen, künftiger aktiver mitgestalten zu können, stießen die Handwerker durchaus auf offene Ohren. Gernot Kiefer bot an, ein Gespräch mit dem MDK zu organisieren, in dem die Probleme mit der Leistungsbewilligung diskutiert werden sollen. Außerdem sagte er zu, dass die Handwerke künftig in den Unterausschüssen des Gemeinsamen Bundesausschusses mitarbeiten können, wenn es um die Hilfsmittelversorgung geht.

Chancen nutzen

Zum Abschluss der Zukunftstage konnte ZVOS-Präsident Werner Dierolf ein rundum positives Fazit der Veranstaltung ziehen, die von der Geschäftstelle des ZVOS mit Unterstützung des Partners C. Maurer, dem Verlag der Fachzeitschrift, und den Sponsoren auf die Beine gestellt wurde. Wir wollen uns nicht nur mit steigenden Kosten und sinkenden Preisen beschäftigen, hatte Dierolf im Vorfeld der Veranstaltung erklärt, sondern handeln statt warten. Deshalb freute er sich besonders  über den guten Besuch – und über die positive Resonanz der Teilnehmer auf die Veranstaltung. Dierolf blickte in seinem Fazit optimistisch in die Zukunft: „Wir haben Riesenchancen, aber wir müssen uns verändern und nach außen gehen mit unseren Leistungen“. © be/orthopädieschuhtechnik

Einen ausführlichen Bericht lesen Sie in der Dezemberausgabe der "Orthopädieschuhtechnik".