04. Dezember 2012

Experten fordern bessere Daten für die Planung der Diabetes-Versorgung in Deutschland

Ungeachtet der weiter steigenden Zahl an Diabetikern ist laut Experten das Wissen über die Erfolge von Prävention und Therapie noch immer unzureichend. Auch die Dokumentation der Disease Management Programme (DMP) sei für den Nutzennachweis der Programme zu wenig verlässlich. Zudem forderten sie erneut eine nationale Strategie, um langfristig die Diabetes-Versorgung zu verbessern. Das ist das Fazit des 4. Nationalen Workshop Diabetes-Versorgung am Berliner IGES Institut, an dem rund 60 Gesundheits-Experten teilnahmen.

DMP-Dokumentation unzureichend
Bedenklich sei die Qualität der DMP-Dokumentation im Vergleich zu den verlässlicheren, weil abrechnungsrelevanten GKV-Routinedaten, berichtete Prof. Roland Linder, stellvertretender Leiter des Wissenschaftlichen Instituts für Nutzen und Effizienz im Gesundheitswesen (WINEG) der Techniker Krankenkasse. „Laut DMP-Dokumentation wird beispielsweise mehr als doppelt so vielen Versicherten Glibenclamid verordnet, als sich in den eingelösten Rezepten anhand der Routinedokumentation wiederfinden lassen. Aufgrund der eingeschränkten Validität der Diabetes-DMP-Daten müsse neben der Weiterentwicklung der Programme auch die Dokumentation reformiert werden."

Nationale Diabetesstrategie gefordert
„Wir brauchen konkrete nationale Zielvorgaben mit Zeithorizont, Indikatoren für die Zielerreichung, Maßnahmen zur Umsetzung sowie eine integrierte Evaluierung“, sagte Dr. Stefanie Gerlach, Leiterin Gesundheitspolitik, diabetesDE - Deutsche Diabetes-Hilfe. Dazu sei eine strukturierte, nationale Diabetes-Strategie nötig, die Deutschland anders als 16 andere europäische Länder noch immer nicht habe

Dr. Claus Runge, Vice President Corporate Affairs bei AstraZeneca GmbH, forderte: „Es ist weiterhin dringend notwendig, das therapeutische Arsenal in der Behandlung des Diabetes zu erweitern. Neben den etablierten Therapien brauchen wir neue Ansätze, die eine Gewichtszunahme oder das Auftreten von Hypoglykämien verhindern helfen."

Bei einer während der Veranstaltung laufenden Befragung zeigte sich, dass 47 Prozent der Teilnehmer durch die frühe Nutzenbewertung von Arzneimitteln nach AMNOG eine Verschlechterung der Versorgung befürchten. Am Ende der Vorträge und Diskussionen stieg dieser Anteil auf 55 Prozent.