05. Dezember 2012

Erste Ergebnisse der Bonner Venenstudie II veröffentlicht - Unterversorung in der Kompressionstherapie

Seit der Veröffentlichung der ersten Bonner Venenstudie in 2003 ist klar: Venenerkrankungen zählen in Deutschland zu den großen Volkskrankheiten. Nahezu ein Viertel aller Deutschen im Alter von 18 bis 79 Jahren hat Krampfadern und immerhin noch 17 % leiden an fortgeschrittenen Venenkrankheiten vom venösen Ödem über Hautveränderungen bis hin zum so genannten "offenen Bein" (Ulcus cruris). Als Basisbehandlung bei allen Venenerkrankungen gilt dabei die Therapie mit medizinischen Kompressionsstrümpfen. Wie oft aber und bei welchen Indikationen werden diese Strümpfe mit dem genau festgelegten Druckverlauf verordnet? Und wie beurteilen die betroffenen Patienten diese Therapie? Eine Antwort auf diese Fragen liegt jetzt mit der Auswertung der ersten Ergebnisse der so genannten Bonner Venenstudie II vor.

Diese als Folgestudie zur ersten Bonner Venenstudie angelegte Untersuchung wurde erneut von dem Bonner Phlebologen Professor Eberhard Rabe durchgeführt. Knapp sieben Jahre nach der ersten Untersuchung wurden die Teilnehmer erneut einbestellt und nachuntersucht. Von den ursprünglich 3.072 Probanden der Bonner Venenstudie I nahmen immerhin noch 1.978 Personen an den Untersuchungen der Bonner Venenstudie II teil. Das sind knapp 85 Prozent. Das Team um Professor Rabe hatte dabei mehrere Fragestellungen im Blick. Unter anderem wollten sie wissen, wie es um die Behandlung von Venenerkrankungen bestellt ist. Ein Ergebnis:

Von allen Therapiemöglichkeiten werden medizinische Kompressionsstrümpfe am häufigsten verordnet. Immerhin 18 % derjenigen, die Krampfadern haben, erhielten Kompressionsstrümpfe. Bei Patienten mit einer chronischen venösen Insuffizienz lag die Verordnungsrate sogar bei 21 Prozent.  Und noch etwas stellten die Forscher fest: Die Compliance bei den Patienten ist überaus gut. 75 % der Patienten, die dauerhaft Kompressionsstrümpfe tragen müssen, tun dies regelmäßig. Vorausgesetzt sie erhalten überhaupt eine Verordnung. Als Gründe dafür gaben sie an, dass sich ihre Beschwerden beim Tragen der Kompressionsstrümpfe deutlich gebessert hatten.

Unterversorgung in der Kompressionstherapie
Vor diesem Hintergrund stimmt ein weiteres Ergebnis der Bonner Venenstudie II nachdenklich: Auch wenn die Verordnungshäufigkeit von medizinischen Kompressionsstrümpfen insgesamt zunimmt, so gibt es nach wie vor eine eklatante Unterversorgung. "Nur der geringere Teil der Patienten, für die eine langfristige Indikation zur Kompressionstherapie besteht, werden tatsächlich auch mit medizinischen Kompressionsstrümpfen oder Kompressionsverbänden versorgt", betont Professor Rabe. "Fast 80 % der Teilnehmer unserer Studie, die an venösen Ödemen litten, und knapp 60 % derjenigen mit fortgeschrittenen Venenerkrankungen von Hautveränderungen bis hin zum Ulcus cruris hatten weder Kompressionsstrümpfe noch Kompressionsverbände."

Angesichts des demografischen Wandels und der damit einhergehenden weiteren Zunahme venöser Erkrankungen eine bedenkliche Entwicklung, wie auch der Geschäftsführer des Industrieverbandes Eurocom, Dr. Ernst Pohlen, hervorhebt: "Diese Unterversorgung kann zusätzlich dazu beitragen, dass die Zahl schwerer Venenerkrankungen ansteigen wird. Die Konsequenz muss sein, dass jeder mit einer chronischen Venenerkrankung auch Kompressionsstrümpfe erhält!" 

Die ersten Ergebnisse der Bonner Venenstudie II zur Kompressionstherapie wurden aktuell in der Online-Ausgabe des Journals der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft (JDDG) veröffentlicht und erscheinen zudem Anfang des kommenden Jahres in der Printversion. Weitere Teilergebnisse der Bonner Venenstudie II, beispielsweise zu den Risikofaktoren, werden voraussichtlich ebenfalls im kommenden Jahr veröffentlicht. Die Studie wurde maßgeblich von der Eurocom unterstützt.

Quelle: Eurocom