10. Dezember 2012

Krankenkassen stehen Integrierter Versorgung differenzierter gegenüber

Krankenkassen  sehen  die  Zukunft  innovativer  Versorgungsformen optimistischer als bislang vermutet.  Trotz  geringer  staatlicher  Förderung  innovativer  Projekte  sehen  die Krankenkassen  Entwicklungspotenziale  bei  der  Integrierten  Versorgung  sowie  weiterer Selektivversorgungsformen.  Dies  ist  das  Hauptergebnis  des  Krankenkassen-Befragungsprojektes  „Monitoring-IV“,  das  die  Deutsche  Gesellschaft  für  Integrierte Versorgung e.V. (DGIV) in Kooperation mit dem Bundesverband Managed Care e.V. (BMC) in  Auftrag  gegeben  hat.  Damit  zieht  die  Studie  ein  deutlich  optimistischeres  Fazit  als  der Sachverständigenrat Gesundheit (SVR), der bezüglich der besonderen Versorgungsformen einschließlich der Integrierten Versorgung kein signifikantes Wachstum in Aussicht gestellt hat.

„Die Kassen haben in den vergangenen Jahren eine beachtliche Zahl interessanter Projekte entwickelt, von denen nicht wenige bereits langjährig fortgeführt werden“, erklärt Prof. Dr. med.  Stefan  G.  Spitzer,  Vorsitzender  des  Vorstandes  der  DGIV.  Auch  Prof.  Dr.  Volker Amelung,  Vorstandsvorsitzender  des  BMC  bestätigt:  „Wir  haben  immer  gewusst,  dass Integrierte Versorgung besser ist als ihr Ruf. Endlich haben wir valide Daten hierzu.“

Die aktuellen Ergebnisse basieren auf den Daten der zweiten Erhebungsrunde des Projekts „Monitoring-IV“.  Durchgeführt  und  ausgewertet  wurde  die  Erhebung  vom  Competence Center E-Commerce (CCEC) der Freien Universität Berlin unter Leitung von Prof. Dr. Martin Gersch. Im  Vergleich  zur  ersten Erhebungsrunde  von 2009/2010 konnte eine  gesteigerte  Rücklaufquote  erreicht  werde. In die  erste  Runde  fiel  damals  der Wegfall  der  Anschubfinanzierung  für  Integrierte  Versorgung,  während  die  aktuelle Untersuchung  durch  das  Versorgungsstrukturgesetz  sowie  die  Debatten  um Überschussverwendungen mitgeprägt wurden.

Polarisierung unter den Krankenkassen zeichnet sich ab
Im  Vergleich  zur  ersten  Erhebungsrunde  fallen  die  Einschätzungen  zur  Bedeutung  der besonderen Versorgungsformen unter den Kassen deutlich differenzierter aus. Neben einer neuen Kategorie von Skeptikern ist gleichzeitig  ein  starker  Zuwachs  an  Optimismus  zu  verzeichnen,  der  mit  einer  positiven Beurteilung der neuen Versorgungsformen verbunden ist. 

Es lassen sich  drei  Gruppen  von  Krankenkassen unterscheiden: Erstens solche, die stabil seit 2004 an eine hohe Bedeutung der besonderen Versorgungsformen  als  strategisches  Instrument  glauben  („stabile  Optimisten“).  Zweitens Kassen,  deren  Bedeutungszuschreibung  anfänglich  verhalten  war  und  jetzt  wächst („wachsende Fans“). Und schließlich Kostenträger, bei denen dies anders herum anfänglich sehr  stark  war  und  nun  geringer  wird  („wachsende  Skeptiker“).  Zwischen  diesen Entwicklungstypen  variieren  sowohl  die  Erwartungsbreite,  die  strategischen Einschätzungen  und  auch  die  wahrgenommen  Hürden  der  Umsetzung  von  Projekten  mit besonderen Versorgungsformen signifikant.