12. Dezember 2012

2012: Mehr Krankentage in Deutschland - Burn-out-Syndrom stieg in sieben Jahren um das Zwanzigfache

Von Januar bis Oktober 2012 lagen die monatsdurchschnittlichen Krankenstandwerte bei 4,2 Prozent. Die Fehltage wegen psychischer Leiden sind in den ersten drei Quartalen 2012 um 10 Prozent gestiegen. Keine andere Krankheitsart weist solche dynamischen Steigerungsraten auf. Dies entnimmt der Bundesverband der Betriebskrankenkassen (BKK) einer Analyse der Befunde seiner 4,8 Millionen beschäftigten Pflichtmitglieder.

Im gesamten Jahr 2011 fehlten die pflichtversicherten Arbeitnehmer krankheitsbedingt an 16,0 Tagen, zuletzt lagen die Fehltage im Jahr 1999 auf diesem Wert, während 2006 mit 12,4 Tagen die wenigsten Krankentage seit 30 Jahren gemeldet wurden.

Krankheitsarten mit den meisten Fehltagen
Muskel- und Skeletterkrankungen (vor allem Rückenleiden) verursachen bei den beschäftigten Pflichtmitgliedern mit 26 Prozent die meisten Krankentage,  gefolgt von Atemwegserkrankungen (14 Prozent). Zum ersten Mal stehen die psychischen Erkrankungen mit 13 Prozent aller Krankentage bereits an dritter Stelle; vor rund 30 Jahren tauchten sie in den  Gesundheitsstatistiken kaum auf (1976: 2 Prozent).

Langzeiterkrankungen dominieren das Krankheitsgeschehen
Ausschlaggebend für die Ermittlung der Krankenstände sind weniger die Fallzahlen, also die Häufigkeit von (Kurzzeit-)Krankmeldungen, als die Ausfalltage insgesamt. So machen kürzere Krankschreibungen bis zu einer Woche zwar zwei Drittel der Fälle aus, verursachen aber noch nicht einmal ein Fünftel (17 Prozent) der krankheitsbedingten Fehltage. Langzeitfälle, also Krankmeldungen über sechs Wochen, verursachen hingegen fast die Hälfte (47 Prozent) der Krankheitstage insgesamt, obwohl ihr Anteil an den  Arbeitsunfähigkeitsfällen nur etwa 4 Prozent beträgt.

Im Durchschnitt dauerte ein Arbeitsunfähigkeitsfall bei den Beschäftigten Pflichtmitgliedern 13,1 Tage. Die mit Abstand kürzesten Erkrankungsdauern verursachten naturgemäß die Infektionskrankheiten (rund 6 Tage je Fall). Deutlich längere Fehlzeiten verursachten dagegen psychische Erkrankungen mit rund 37 Tagen je Fall und Neubildungen (Tumorerkrankungen) mit 36  Tagen je Fall. Zum Vergleich: Herz- und Kreislauferkrankungen (21 Tage), Verletzungen und Vergiftungen sowie Muskel- und Skeletterkrankungen (jeweils rund 20 Tage) führen zu Ausfällen von etwa drei Wochen je  Krankschreibung.

Fehltage wegen Burn-out stiegen in sieben Jahren nahezu um das Zwanzigfache
Häufigste psychische Erkrankungen sind Angststörungen und Depressionen. Bei rund 12 Prozent aller weiblichen und 6 Prozent der männlichen Versicherten wurden bei seelischen Leiden am häufigsten Depressionen diagnostiziert. Die Zunahme dieser Erkrankungen führt der Bundesverband der Betriebskrankenkassen teilweise auch auf die verstärkter  Diagnostik und der entsprechenden Dokumentation durch die behandelnden ambulanten Ärzte zurück.

Seit einigen Jahren rücken „neuere“ Krankheitsbilder wie das Burn-out-Syndrom verstärkt in den Fokus der Diskussionen zum  Erkrankungsgeschehen. In der  ICD-10 wird dieser Zustand lediglich als  Einflussfaktor erfasst, das Syndrom selbst aber nicht als eigenständige  Krankheit behandelt. Die Arbeitsunfähigkeitsdaten beziehen sich auf den IDCSchlüssel Z73 „Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung“. Hier stiegen in nur sieben Jahren krankheitsbedingt die Fehltage um nahezu das Zwanzigfache (exakt: Faktor 19).