05. März 2013

Chirurgen kritisieren: Noch mehr Bürokratie durch das neue Patientenrechtegesetz

Das neue Patientenrechtegesetz, das Ende Februar in Kraft getreten ist, werde das Verhältnis von Ärzten zu ihren Patienten deutlich verkomplizieren - diese Befürchtung äußerten niedergelassene Chirurgen und Operateure beim Bundeskongress Chirurgie, der vom 1. bis 3. März 2013 in Nürnberg stattgefunden hat. Denn künftig ist der Arzt per Gesetz unter anderem dazu verpflichtet, dem Patienten vor sämtlichen Eingriffen unaufgefordert Kopien aller Aufklärungsbögen auszuhändigen und sich den Empfang mit Unterschrift quittieren zu lassen.

Der Präsident des Berufsverbandes Niedergelassener Chirurgen (BNC), Dr. Dieter Haack, warnte vor den Folgen für das Arzt-Patienten-Verhältnis: "Wir sind inzwischen keine Ärzte mehr, sondern Medizinalbürokraten. Ärzte müssen bereits jetzt jeden Handgriff und jedes Gespräch mit dem Patienten ausführlich dokumentieren. Die Bürokratie frisst immer mehr Zeit in den Praxen, die uns dann im direkten Kontakt mit dem Patienten fehlt. Der einzige Nutznießer dieser neuen Vorgaben ist die Papierindustrie!"

Mehr Papier führe nicht zu mehr Sicherheit in der Medizin, erklärte auch der Präsident des Bundesverbandes Ambulantes Operieren (BAO), Dr. Axel Neumann: "Patienten werden von Ärzten geheilt, nicht von Formularen. Bereits jetzt kann jeder Patient auf Wunsch alle relevanten Unterlagen einsehen und in Kopie mit nach Hause nehmen. Die neue Rechtslage schürt Misstrauen und belastet das Arzt-Patienten-Verhältnis unnötig. Das kann sich unter Umständen auch negativ auf das Behandlungsergebnis auswirken."

Ein Teilnehmer äußerte: "Wenn das so weiter geht, müssen wir bald jeden Patientenkontakt nicht nur schriftlich, sondern auch mit Bild- und Tonaufnahmen dokumentieren, um nicht mit einem Fuß im Gefängnis zu stehen. Big Brother in der Arztpraxis – ist das wirklich im Sinne des Patienten?"