06. März 2013

Internisten fordern verstärkte Erforschung der Arthrose

Im Jahr 2011 war nach Angaben des Statistischen Bundesamtes (Destatis) eine Arthrose an Hüfte oder Knie in Deutschland die häufigste Diagnose, die zu einem vollstationären Aufenthalt in einer Vorsorge- oder Rehabilitationsklinik führte. Die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) nimmt dies zum Anlass, auf die derzeit unbefriedigende Situation der Patienten hinzuweisen und Forschung zu fordern:  Noch immer fehle es an wirksamen Therapien gegen Arthrose.

Sinnvoll eingesetzte Forschungsgelder würden aus Sicht der DGIM nicht nur den Patienten selbst helfen. Dadurch ließen sich auch die enormen volkswirtschaftlichen Kosten senken, die durch Berufsunfähigkeit, Operationen, Rehabilitation und Pflege entstehen.

Arthrose beginnt mit einem Abbau des Gelenkknorpels. Auslöser sind oft Fehl- oder Überbelastungen der Gelenke, darüber hinaus Gelenkentzündungen (Arthritis) oder genetisch bedingte Abweichungen in der Knorpelmatrix. Ist diese völlig zerstört, liegt der Knochen frei. Das Gelenk schwillt knotig an und wird unbeweglich. „Reibt Knochen auf Knochen, ist dies unvorstellbar schmerzhaft, häufig müssen im Verlauf Gelenkprothesen implantiert werden“, betont DGIM-Vorsitzende Professor Dr. med. Elisabeth Märker-Hermann. Im Gegensatz zum entzündlichen Rheuma mit großen Therapiefortschritten fehlen bei Arthrose bisher ursächliche oder an der Krankheitsentstehung orientierte Therapien. „Wir müssen die Arthrose deshalb stärker in den Fokus der Forschung holen“, so die Direktorin der Klinik Innere Medizin für Rheumatologie, Klinische Immunologie und Nephrologie an den HSK Dr. Horst Schmidt Kliniken in Wiesbaden. Gefragt seien hier einerseits Wissenschaftler. Vor allem aber auch Vertreter aus Politik und Gesundheitswesen, die an den entscheidenden Stellschrauben drehen könnten, um mehr Forschung in diesem Bereich zu ermöglichen.

Laut DGIM handelt es sich bei Arthrose nicht allein um altersbedingte Abnutzungserscheinungen. „Der Krankheit liegen Prozesse im Knochenstoffwechsel zugrunde, die auch in der embryonalen Phase des Menschen eine Rolle spielen“, erläutert Märker-Hermann. Arthrose aktiviert beim Erwachsenen Signalwege im Knochenstoffwechsel, die auch im Mutterleib ablaufen. Eine deutsche Forschergruppe um Professor Dr. med. Thomas Pap in Münster konnte an der Oberfläche der Knorpelzellen ein Molekül identifizieren, das am Abbau dieser Zellen maßgeblich beteiligt ist. „Hier könnte die Forschung ansetzen mit dem Ziel, diese krankhafte Knorpelreaktion zu stoppen“, sagt Professor Märker-Hermann.

Doch bis zum wirksamen Präparat für den Menschen sei dafür noch viel Forschung nötig, meint Märker-Hermann. Dieser Appell richte sich an Forscher aber auch an jene, die Forschungsgelder verteilen und sich für medizinisch-wissenschaftliche Forschung für Patienten einsetzen. Die Krankheitskosten von Arthrose belaufen sich hierzulande auf weit über sieben Milliarden Euro jährlich. Neue therapeutische Ansätze seien dringend gesucht, insbesondere bei einem Blick in die Zukunft: Die Zahl der von Gelenk- und Knochenerkrankungen Betroffenen werde sich in den nächsten zwei Jahrzehnten voraussichtlich noch verdoppeln.