27. März 2013

Gesundheitshandwerke diskutierten mit Bundesminister Daniel Bahr

Orthopädieschuhtechniker, Orthopädietechniker, Augenoptiker, Hörgeräteakustiker und Zahntechniker standen bei der gesundheitspolitischen Fachtagung, die die Handwerkskammer Köln im Februar ausrichtete, im Mittelpunkt. Zu Gast war Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr.

Eigentlich müssten die Gesundheitshandwerke zuversichtlich in die Zukunft schauen, sagte Hans Peter Wollseifer, Präsident der Handwerkskammer zu Köln. Die demografische Entwicklung, aber auch die rund 300 Milliarden Euro, die inzwischen jährlich in Deutschland für Gesundheitsdienstleistungen ausgegeben würden, sprächen dafür. Allerdings hätten die Gesundheitshandwerke beim Verteilungskampf gegenüber Ärzten, Krankenhäusern und Anrzneimittelherstellern die schwächste Stellung. Mittlere und kleine Unternehmen, so Wollseifer, müssten mittlerweile hart kämpfen, um sich gegen die Marktmacht der Kassen zu behaupten. „Das Entstehen von marktbeherrschenden regionalen Großkassen schnürt dem Gesundheitshandwerk regelrecht die Luft zum Atmen ab“, betonte der Präsident. Ziel müsse sein, einen gemeinsamen Weg zu finden, um die Gesundheitshandwerke in eine bessere Verhandlungsposition zu bringen.

Auch in anderer Hinsicht seien die Gesundheitshandwerke einem unfairen Wettbewerb ausgesetzt, nämlich wenn Firmen, an denen Ärzte (oftmals verdeckt) beteiligt sind, Leistungen der Gesundheitshandwerke erbringen. Das sei auch nicht im Interesse der Beitragszahler zur Krankenversicherung. Denn der Arzt, der zusätzlich am Vertrieb der Brille oder des Hörgeräts verdient, könne bei seiner ärztlichen Verordnung nicht objektiv sein. Die Handwerksorganisationen begrüßten es daher, dass die Bestimmungen im Sozialgesetzbuch zur Korruptionsbekämpfung verschärft worden sind. Bei einzelnen Krankenkassen und Ärztekammern gebe es hier allerdings Vollzugsdefizite, so die Kritik des Verbands der Hörgeräteakustiker.

Die Vertreter des Augenoptiker-Handwerks richteten an Bundesminister Bahr nochmals die Bitte der Gesundheitshandwerke, im „Gemeinsamen Bundesausschuss", der den Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenkassen festlegt, mitwirken zu können. Doch immerhin seien die Gesundheitshandwerke inzwischen in den Unterausschüssen des G-BA vertreten, sagte Daniel Bahr.

Auf Zustimmung bei den Teilnehmern stießen Bahrs Ausführungen zur Qualität im Gesundheitswesen. „Wir haben in Deutschland eine wirklich gute Gesundheitsversorgung. Diese wäre in der heutigen Qualität nicht vorstellbar, gäbe es die Gesundheitshandwerke wie Augenoptiker, Hörgeräteakustiker, Orthopädieschuhmacher und Zahntechniker nicht. Täglich profitieren Versicherte von ihrem Knowhow, ihren neuen, kreativen Ideen, aber auch von ihrem Anspruch, an Bewährtem anzuknüpfen und Traditionen zu bewahren", so Daniel Bahr.

Kammerpräsident Wollseifer kritisierte die vom Bundesfinanzministerium gewünschte Kürzung des Zuschusses an den Gesundheitsfonds. Die strittige Kürzung um zwei Milliarden Euro „würde die Beitragszahler irritieren und die Gesundheitsdienstleister und Kassen treffen", so Wollseifer.