10. April 2013

Joachim Gabor verstorben

Joachim Gabor, Mitbegründer und zuletzt Ehrenaufsichtsrat der Gabor Shoes AG, Rosenheim, ist am 06. April 2013 im Alter von 84 Jahren verstorben. Vor seinem Büro steht noch heute in aller Bescheidenheit: "Schuhmacher seit 1949".

Joachim Garbor entstammte einer Schusterfamilie aus dem oberschlesischen Groß-Strehlitz. Seine Eltern führten dort ein Geschäft für Schuh- und Lederhandel. 1945, in den letzten Monaten des 2. Weltkrieges, flohen der damals 16-jährige Joachim und seine Brüder ins thüringische Saalfeld. Die Eltern blieben in Groß-Strehlitz und kamen dort um. 

Bis 1948 arbeitete Joachim Gabor in Saalfeld in einer Schuhfabrik, an der sein Bruder Bernhard beteiligt war. Doch dem Betrieb drohte die Verstaatlichung, daher zerlegten die Gabors ihre Maschinen in Einzelteile und schmuggelten sie in Rucksäcken über die grüne Grenze in den Westen. Joachim tauschte die goldene Sprungdeckeluhr seines Vaters gegen eine Singer 34-Nähmaschine ein. Dann begann am 1. Februar 1949 die B. & J. Gabor Damenschuhfabrik in Barmstedt bei Hamburg mit der Produktion von Jedermann-Schuhen.

Jedermann-Schuhe, das war einfachstes Schuhwerk für die Zeit des Mangels nach den Kriegsjahren. Man bekam für deren Herstellung Leder aus dem Marshall-Plan zugeteilt und verkaufte sie mal gegen D-Mark, mal gegen Wurst und Schinken. Was man bekam, wurde mit den Mitarbeitern geteilt. Schon bald aber erwies sich diese Art der Fußbekleidung als schlechtes Geschäft. Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung wollten die Menschen wieder wer sein. Jedermann-Schuh passten nicht mehr zu diesem Selbstbild. Bernhard und Joachim Gabor standen schon vor der Entscheidung, ihr Geschäft wieder aufzugeben.

Nach einer Informationsreise in die USA brachte Bernhard jedoch eine neue Art der Schuhherstellung mit nach Deutschland: Die California Machart. Mit ihr waren gute Schuhe einfach und mit geringem maschinellen Aufwand herzustellen. Joachim Gabor beschäftigte sich zugleich intensiv mit der Mode der Zeit. Er verkaufte die Schuhe zunächst an Händler in der näheren Umgebung, die er mit dem Fahrrad „bereiste“ und baute Schritt für Schritt einen schlagkräftigen Vertrieb auf.

So gelang 1951 der Durchbruch. Die Nachfrage nach den Gabor-Californias war enorm und Schuhhändler boten Vorkasse, um damit bedient zu werden. 1952 wurde die erste eigene Fabrik in Barmstedt gebaut und ein Außendienst aufgebaut. Bald darauf wurden weitere Produktionsstätten im In- und Ausland errichtet.

Schon früh begann Gabor auch im Ausland neue Märkte zu erschließen: zunächst die deutschsprachigen Länder Österreich und Schweiz, in den 50er Jahren Skandinavien und die BeNeLux – Länder. Später folgten Großbritannien, Russland, die USA, Asien und Osteuropa.

1966 verlegte das Unternehmen seinen Hauptsitz nach Rosenheim in Bayern. 63 Barmstedter Familien folgten und bezogen die im Vorfeld errichteten Werkswohnungen in der oberbayerischen Stadt. Im gleichen Jahr verstarb der Mitbegründer Bernhard. Joachim Gabor führte von nun an alleine die Geschicke des Unternehmens.  Er richtete die Kollektionen noch stärker modisch aus, bot Schuhe für unterschiedliche Looks, unterschiedliche Altersgruppen und Passformbedürfnisse. Dabei mussten sie stets bezahlbar bleiben. „Wir machen Schuhe für Millionen, nicht für Millionäre“ lautete sein Credo.

Mit seinem sicheren Gespür und mit unternehmerischem Weitblick baute er Gabor zu einem europaweit führenden Hersteller von Damenschuhen aus. Durch seine konsequente Qualitätsorientierung schuf Joachim Gabor das Fundament, auf dem der Erfolg des Unternehmens bis heute basiert. Inzwischen beliefert Gabor mehr als 5.000 Kunden in 60 Ländern, 50% der Produktion werden exportiert.

Im Laufe seines Lebens baute Joachim Gabor 14 Fabriken, 3 davon (Rosenheim, Silveiros / Portugal und Banovce / Slowakei) sind heute noch im Einsatz und liefern den überwiegenden Teil der Gabor Schuhe. 2001 sicherte Joachim Gabor die Lizenzrechte für camel active Footwear und so spielt Gabor auch als Herrenschuhanbieter eine wichtige Rolle. Später wurden Lizenzen für Gabor Handtaschen, Schuhpflege, Kinderschuhe und Hausschuhe vergeben. Bis zum Jahr 2005 war Joachim Gabor Vorstandsvorsitzender, ehe er die Leitung des Unternehmens an seinen Sohn Achim übergab. Joachim Gabor wechselte in den Aufsichtsrat und wurde zuletzt zum Ehrenaufsichtsrat berufen.

Für sein Schaffen erhielt Joachim Gabor viele Auszeichnungen, er ist Träger der Verdienstmedaille der Stadt Rosenheim, des Ehrenzeichens der Republik Österreich, des Ehrenmantels des Consorzio Nazionale Santi Crispin e Crispinian (Italien), der bayerischen Staatsmedaille und des Verdienstkreuzes am Bande der Bundesrepublik Deutschland.