06. Dezember 2021

Fußnetztagung: Charcotfuß-Versorgung häufiger in den richtigen Händen

Die Blutzuckerkon­trolle ist heute sensorgestützt möglich. Ein „intelligenter Verband“, der die Wundheilung mit einem Sensor überwachen und Patient und Arzt informieren kann, wird derzeit im iFoot-Projekt entwickelt. Foto: Andrey Popov/AdobeStock
ANNETTE SWITALA
 
Auf dem 17. Nationalen Treffen Netzwerke Diabetischer Fuß, das am 3. und 4. September 2021 virtuell und parallel als Präsenzveranstaltung bei Dr. Astrid Schmidt-Reinwald in Trier stattfand, stand mit dem Charcotfuß eine der schwierigsten Versorgungen des Diabetischen Fußsyndroms im Fokus. Findige Ideen, multimorbide Patienten „fit und aktiv“ zu machen, und das „iFoot-Projekt“ waren einige der weiteren Themen, die wir in der Berichterstattung herausgreifen.
Warum und wie ein Charcotfuß entsteht, ist nicht ganz erklärt, berichtete Dr. Florian Thienel, Quakenbrück. Das Krankheitsbild ist komplex und ebenso die Faktoren, die es begünstigen. Die neurotraumatische Hypothese geht beispielsweise davon aus, dass der Patient seine Füße durch die Polyneuropathie nicht mehr spürt und der Charcotfuß durch repetitive Traumata bei der Belastung entstehen kann. Auch entzündliche Prozesse in der Gelenkhaut werden als Auslöser vermutet. Eine vaskuläre Theorie vermutet, dass der Fuß zu gut durchblutet wird und sich die Knochen dadurch vermehrt abbauen. Auch eine verkürzte Wadenmuskulatur wird als Ursache diskutiert. 
 
Verkürzte Wadenmuskulatur mögliche (Mit-)Ursache
Es ist wichtig, zwischen dem aktiven und dem inaktiven Charcotfuß zu unterscheiden, betonte Dr. Gerald Engels, Köln. Der aktive Charcotfuß sei dick, geschwollen, überwärmt (Temperaturdifferenz über 2°) und manchmal schmerzhaft. Durch repetitive Traumata und fortgesetzte Belastung werde der Verlauf beschleunigt, so Engels. Deshalb sei es von großer Wichtigkeit, schon in der Frühphase gegenzusteuern. „Jeder Verdacht auf Charcotfuß erfordert eine adäquate Therapie – sofort!“ Im MRT sei das für den frühen Charcotfuß charakteristische Knochenmarködem in der Regel schon früher und wesentlich besser zu erkennen als im Röntgenbild. Anhand von Untersuchungen in seinem Patientenkollektiv habe er festgestellt, dass über 80 Prozent (von 600 Patienten mit Charcotfuß) eine verkürzte Wadenmuskulatur und häufig auch einen Spitzfuß aufweisen. Um aufrecht stehen zu können, müssten sie ihren Rückfuß eigentlich nach unten bringen. Die verkürzte Wadenmuskulatur ziehe aber den Rückfuß derart nach oben, dass stattdessen der Vorfuß nach oben müsse. Dies könnten biomechanische Gründe dafür sein, warum der Fuß in der Mitte „durchbreche“ und der charakteristische „Schaukelfuß“ entstehe. „Bei der konservativen Therapie muss man überlegen, ob die verkürzte Wadenmuskulatur die angedachte Versorgung zulässt“, erläuterte der Fußchirurg. Ziel der Charcotfußversorgung sei nicht, den Fuß zu entlasten, sondern ruhigzustellen. Unter Umständen mache es Sinn, die Achillessehne oder die Wadenmuskulatur zu verlängern. Wie bei diabetischen Fußulzera sei eine nicht-abnehmbare, kniehohe Orthese bzw. der nicht-abnehmbare TCC die beste Therapieoption. „Wer ein abnehmbares Hilfsmittel verordnet, verordnet auch die Abnahme“, argumentierte Engels. Falls Wunden versorgt werden müssen, könne man den TCC mit einem Fenster versehen. Allerdings könne man beim TCC auch einiges falsch machen, insbesondere, wenn man die gefährdeten Lokalisationen nicht genügend polstere. 
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