17. März 2014

DDG: Wechselwirkung zwischen Diabetes und Depressionen

Zwischen Diabetes und Depressionen bestehen wechselseitige Beziehungen. Darauf weist die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) hin. So leiden etwas zehn Prozent der Diabetiker an Depressionen – andererseits entsteht im Verlauf einer Depression häufig ein Typ 2-Diabetes.

„Ein Leben mit Diabetes kann völlig normal verlaufen, doch wir dürfen nicht unterschätzen, welche Laste viele Menschen damit tragen“, erläutert Privatdozent Dr. med. Erhard Siegel, Präsident der DDG. Feste Ernährungsregeln, häufige Blutzuckerkontrollen und die  Behandlung mit Medikamenten stressen viele Diabetespatienten. Hinzu kommen die psychischen Belastungen aufgrund der körperlichen Beschwerden, die sich aus den Folgeschäden für Herz und Blutgefäße, Nieren, Augen und Nervensystem ergeben. Schätzungsweise zehn Prozent der Diabetespatienten entwickeln im Verlauf ihrer Erkrankung zusätzlich eine Depression, doppelt so viele wie in der Allgemeinbevölkerung.

„Dadurch wird es für viele Menschen noch schwerer, mit Diabetes umzugehen und auch die Behandlung wird dadurch oftmals schwieriger“, erklärt Professor Dr. med. Andreas Fritsche, Pressesprecher der DDG. Die Depression raube vielen Patienten die Lebensenergie und erschwere das ohnehin komplexe Diabetes-Selbstmanagement. Hinzu kommt, dass Stress den Blutzucker erhöht. Denn in Stresssituationen setzt die Nebennierenrinde größere Mengen des Hormons Cortisol frei, das den Blutzuckerspiegel ansteigen lässt. „Alle diese Faktoren können dazu führen, dass eine Depression die Blutzuckereinstellung verschlechtert“, so Fritsche. Deshalb sei es wichtig, eine Depression rechtzeitig zu erkennen und wirksam zu behandeln. Bewährt hat sich hierfür die Psychotherapie.

Darüber hinaus müssen bei Depressionen auch Medikamente, sogenannte Antidepressiva, eingesetzt werden. Viele dieser Medikamente verschlechtern die Diabetessituation zusätzlich. Dies liegt zum einen daran, dass viele Antidepressiva das Körpergewicht erhöhen. „Zum anderen scheinen viele Antidepressiva ungünstig auf den Blutzuckerspiegel zu wirken“, erklärt Siegel. So zeigt eine Studie, dass die Einnahme von Antidepressiva das Risiko für einen Diabetes Typ 2 sowohl bei Patienten mit schwerer als auch mit leichter Depression verdoppelt.

Leiden Diabetespatienten an Depressionen, sollten sie therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen, empfiehlt die Fachgesellschaft.  Für die Behandlung von Diabetespatienten mit Depressionen sollen Medikamente bevorzugt werden, die eine geringe Auswirkung auf den Blutzucker haben. Psychotherapeuten, die in der Behandlung von Menschen mit Diabetes erfahren sind, sowie eine Liste der „Fachpsychologen Diabetes“, die von der DDG anerkannt sind, sind im Internet unter www.diabetes-psychologie.de abrufbar.