08. April 2014

Orthopädievertrag in Baden-Württemberg gestartet

Wochen- oder gar monatelangen Wartezeiten für orthopädische Facharzttermine soll in Baden-Württemberg künftig entgegengewirkt werden. Ein Vertrag nach § 73c SGB V, den die AOK Baden-Württemberg und die Bosch BKK mit MEDI Baden-Württemberg und den Berufsverbänden der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie sowie der niedergelassenen Chirurgen abgeschlossen haben, soll dies ermöglichen.  Rückenschmerzen und andere orthopädische Probleme sollen schneller behandelt und Beratung besser vergütet werden.

Das Vergütungssystem für die Ärzte seien in diesem Programm so gestaltet, dass sich der teilnehmende Facharzt mehr Zeit für das Gespräch und die körperliche Untersuchung nehmen kann, heißt es in der Pressemitteilung. „Wir sorgen dafür, dass der Orthopäde nicht die Fünf-Minuten-Spritzenmedizin verabreichen muss, sondern sich ausgiebig mit dem Problem der Patienten auseinandersetzen kann", sagt Dr. Christopher Hermann, Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg. Statt „voreiliger Apparatemedizin“ ermögliche das Programm eine ursachenorientierte Behandlung von orthopädischen Krankheiten und – im Zusammenspiel von Haus- und Facharzt – eine ganzheitliche medizinische Betreuung.

Zum 1. Januar 2014 konnte das Programm flächendeckend im ganzen Land starten. Mittlerweile behandeln bereits 322 Orthopäden und 105 orthopädisch tätige Chirurgen die Patienten im Facharztprogramm. Außer MEDI Baden-Württemberg zählen der Berufsverband der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU) und der Berufsverband der niedergelassenen Chirurgen (BNC) zu den ärztlichen Vertragspartnern.

Facharzttermin innerhalb von zwei Wochen
Anstatt wie in der Regelversorgung oft bis zu drei Monate auf ein Erstgespräch warten zu müssen, bekommen Patienten nach der Überweisung durch den Hausarzt innerhalb von 14 Tagen einen Termin beim Orthopäden oder Chirurgen, im Notfall am selben Tag. Die teilnehmenden Fachärzte haben sich zur zügigen Terminvergabe und zu Abendsprechstunden für berufstätige Patienten verpflichtet.

Damit Schmerzen nicht nur kurzfristig gelindert, sondern dauerhafte Therapieerfolge erzielt werden, sollen die Patienten mit Beratungsangeboten zum richtigen Umgang mit Beschwerden unterstützt werden.

Betreuung durch Haus- und Facharzt
Der Hausarzt fungiert als zentrale Anlaufstelle für die Patienten und soll den Patienten bei Bedarf an einen Orthopäden überweisen. Beide stimmen ihr Vorgehen während der gesamten Behandlungsdauer ab. Unter anderem soll dies Doppeluntersuchungen entgegenwirken. Auch überflüssige Operationen und Medikamente sollen auf diese Weise eingedämmt werden. Erklärtes Ziel ist, Therapien häufiger ambulant durchzuführen.

„Ein entscheidender Vorteil sind die so genannten Fall-Konferenzen: Im Rahmen von Gesprächen werden zwischen Hausärzten, dem beteiligten Psychologen und dem Orthopäden Strategien entwickelt und dann gezielt die entsprechenden weiteren Schritte eingeleitet“, erläutert Reinhard Deinfelder, Orthopäde in Donzdorf (Kreis Göppingen) und MEDI-Sprecher, die praktische Umsetzung.

Das Vergütungssystem
Die Vergütungssystematik stellt einen Mix aus Pauschal- und Einzelleistungsvergütungen sowie Qualitätszuschlägen dar, aus der sich laut Vertrag ein Honorarplus von 20 bis 40 Prozent gegenüber dem Regelversorgungssystem ergibt. Ein wesentlicher Teil der Vergütung ist in Pauschalen zusammengefasst, die an eine leitliniengerechte Behandlung gebunden sind. Damit sollen finanzielle Fehlanreize für unnötige diagnostische Untersuchungen vermieden und die „sprechende Medizin“ gefördert werden. 

© Annette Switala/Orthopädieschuhtechnik