09. April 2014

KKH Allianz verzeichnet bislang höchsten Schaden durch Abrechnungsbetrug

Foto: Eisenhans/fotolia
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Der Schaden durch Betrugsfälle war bei der Kaufmännischen Krankenkasse im vergangenen Jahr nach eigenen Angaben so hoch wie noch nie: Insgesamt forderte die KKH 2,1 Millionen Euro von Ärzten, Apothekern, Therapeuten und anderen Leistungserbringern aus dem Gesundheitswesen. Das neunköpfige Ermittlerteam deckte 566 Betrugsfälle auf, in 21 Fällen erstattete die Krankenkasse Strafanzeige.

Den größten Schaden hat die KKH im vergangenen Jahr im Bereich der Apotheken festgestellt. Allein hierauf entfielen 1,6 Millionen Euro. Davon stammen zum Beispiel 600.000 Euro aus einem Fall, in dem Ärzte in einem Medizinischen Versorgungszentrum jahrelang stark überhöhte Röntgenkontrastmittel abgerechnet haben. Die Verantwortlichen sollen sich ins Ausland abgesetzt haben. Das Versorgungszentrum ist insolvent. Insgesamt geht man davon aus, dass den Krankenkassen ein Schaden von über 30 Millionen Euro entstanden ist.

Bei ambulanten Pflegediensten machte die KKH Schäden von insgesamt 144.000 Euro geltend. Besonders beliebt sei hier der Einsatz von nicht qualifiziertem Personal. Auf Platz drei der Schadenshöhen folgte schließlich der Krankenhausbereich (96.000 Euro). So hat ein Krankenhaus regelmäßig implantierte künstliche Kniegelenke abgerechnet, obwohl jeweils nur ein künstlicher Meniskus eingesetzt wurde. Eine Strafanzeige wurde erstattet. Der KKH ist in diesem Fall zwar „nur“ ein Schaden von gut 4.000 Euro entstanden, insgesamt dürfte der Schaden für alle Kassen jedoch beträchtlich sein, so die KKH Allianz.
 
Die "Top Ten" der neu aufgedeckten Fälle 2013  (Fallzahlen in Klammern): 

  1. Krankengymnasten/Physiotherapeuten (240)
  2. Ambulante Pflege (88)
  3. Apotheke (44)
  4. Ärztliche Leistungen (37)
  5. Orthopädische Hilfsmittel/Sanitätshäuser (31)
  6. Fahrkosten (23)
  7. Krankenhaus (21)
  8. Zahnärztliche Leistungen (17)
  9. Masseure/med. Badebetriebe (14)
  10. Podologen (13)

KKH-Allianz fordert Anti-Korruptionsgesetz
Die KKH begrüßt die im Koalitionsvertrag verankerten Pläne der Bundesregierung, Korruption im Gesundheitswesen im Strafgesetzbuch zu verankern: „Wir freuen uns, dass die Politik damit eine langjährige KKH-Forderung erfüllt und einen entsprechenden Straftatbestand im Strafgesetzbuch verankern will“, so Vorstandschef Kailuweit. „Wichtig ist aus unserer Sicht, dass es jetzt zügig vorangeht.“ Nach Schätzungen entsteht allein in Deutschland durch Korruption im Gesundheitswesen jedes Jahr ein volkswirtschaftlicher Schaden in Milliardenhöhe.