22. April 2014

Weniger Diabetes-Komplikationen in den USA

skyfotostock/fotolia
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Obwohl die Zahl der Diabetiker auch in den USA in den letzten beiden Jahrzehnten beständig angestiegen ist, ist die Anzahl der Diabetes-Komplikationen zurückgegangen. Dies beobachtet eine Studie der Centers for Disease Control and Prevention, die jüngst im New England Journal of Medicine veröffentlicht wurde.

Die Studie von Edward W. Gregg et. al. untersuchte die Entwicklung von fünf Spätkomplikationen des Diabetes mellitus über den Zeitraum von 1990 bis 2010. Dabei wurden Amputationen der unteren Extremität (Minor- und Major­amputationen), Nierenversagen, Herzinfarkte, Schlaganfälle und Todesfälle aufgrund von Hyperglykämien in den Blick genommen.

Ausgewertet wurden dazu Daten aus repräsentativen Umfragen, Krankenhausstatisiken, Dialyse-  und Sterberegistern: dem National Health Interview Survey, dem National Hospital Discharge Survey, dem U.S. Renal Data System und dem U.S. National Vital Statistics Sys­tem.

Die Autoren fanden einen Rückgang aller betrachteten Komplikationen in den letzten zwei Jahrzehnten. Den stärksten relativen Rückgang verzeichneten sie bei Herzinfarkten (-67 Prozent, 4370 weniger Fälle). Schlaganfälle nahmen um 52,7 Prozent (um 39703 Fälle) ab; Amputationen der unteren Extremität reduzierten sich um 51,4 Prozent (um 22703 Fälle). Dialysepflichtig waren 2010 28 Prozent weniger Menschen als 1990. Die Anzahl tödlich verlaufender Hyperglykämien sank um 529 Fälle (-64 Prozent).

Kein Grund zur Entwarnung
Die Autoren folgern daraus, dass die Rate der Diabeteskomplikationen in den letzten beiden Jahrzehnten erheblich zurückgegangen ist. Dennoch bleibe eine hohe Krankheitslast, da die Prävalenz von Diabetes in der US-Bevölkerung weiterhin kontinuierlich ansteige. Die Häufigkeit von neu auftretendem Diabetes hat sich in den USA im beobachteten Zeitraum verdreifacht, berichten die Autoren – von 6,5 Millionen im Jahr 1990 auf 20,7 Millionen im Jahr 2010. Mit 79 Millionen Amerikanern sei die Zahl von Diabetes-Vorformen (gestörter Glukosetoleranz) sowie von Personen mit erhöhtem Diabetes-Risiko noch weitaus höher. Jedes Jahr koste dies das amerikanische Gesundheitssystem 176 Billionen US-Dollar.

Auch wenn die Studie aufgrund ihres Designs keine sicheren Aussagen über die Ursachen für den Rückgang der Komplikationen erlaubt, nennen die Autoren wahrscheinliche Gründe. Insbesondere verweisen sie auf die gestiegenen Angebote in der Akutbehandlung und bei der integrierten Versorgung. Eine bessere Wundbehandlung, bessere Patientenschulungen, die Kontrolle von von Blutwerten und Risikofaktoren sowie das gewachsene Bewusstsein für die Spätkomplikationen von Diabetes seien ebenfalls von entscheidender Bedeutung. © Annette Switala/Orthopädieschuhtechnik

Edward W. Gregg, Ph.D., Yanfeng Li, M.D., Jing Wang, M.D., Nilka Rios Burrows, M.P.H., Mohammed K. Ali, M.B., Ch.B., Deborah Rolka, M.S., Desmond E. Williams, M.D., Ph.D., and Linda Geiss, M.A. N Engl J Med 2014; 370:1514-1523.