23. April 2014

BWHT: EU-Pläne könnten Handwerk hart treffen

Der Baden-Württembergische Handwerkstag (BWHT) hat  die Politik aufgerufen, sich  für den Erhalt der Meisterpflicht einzusetzen. "Wer die Meisterpflicht abschaffen will,  der verschließt die Augen vor den negativen Folgen für Verbraucher und  Ausbildungsleistung", sagte Landeshandwerkspräsident Joachim Möhrle im  Zusammenhang mit dem am 9. April 2014 im Europaausschuss des Landtags diskutierten Antrag der CDU-Fraktion zu der von der EU angestoßenen Evaluierung reglementierter  Berufe.

Der  BWHT  begrüßt,  dass  sich  die  Landesregierung  auf  nationaler  und  EU-Ebene  für  den  Erhalt der Meisterpflicht einsetzt. Die Stellungnahme des Integrationsministeriums zum CDU-Antrag  falle  dagegen  recht  schwach  aus,  bedauerte  Möhrle.  Die  Evaluierungsphase  sei  nur  der  erste  Schritt:  "Wir  machen  uns  begründete  Sorgen."  Man  brauche  sich  doch  nur  vorzustellen, dass in Brüssel kaum jemand eine Ahnung davon habe, wie das Kammerwesen  und damit das duale Ausbildungssystem, das unabdingbar mit dem Meisterbrief verbunden ist,  funktioniere.  Oft  gebe  es  im  Englischen  nicht  einmal  adäquate  Übersetzungsmöglichkeiten,  weil das Vokabular dazu fehle. 

"Die Novelle der Handwerksordnung 2004, mit der in 53 Berufen die Meisterpflicht abgeschafft wurde,  war  doch  ein  Schuss  in  den  Ofen",  erinnerte  Möhrle.  Sie  habe  zwar  in  wenigen Gewerken tatsächlich für einen massiven Gründungsboom geführt, allerdings auf Kosten der Dualität:  Im  Jahr  2013  wurden  beispielsweise  15  Prozent  aller  zulassungsfreien  Betriebe geschlossen,  bei  den  Meisterbetrieben  waren  es  nur  fünf  Prozent.  Vielen  Gründern  ohne Meistertitel  fehlten  juristische  und  kaufmännische  Kenntnisse,  die  sie  in  der  Meisterschule gelernt hätten. Das Nachsehen habe der Kunde, der bei Reklamationen vor verschlossenen  Türen stehe.

Zudem finde die Ausbildung im Handwerk überwiegend im zulassungspflichtigen  Handwerk statt.  In  den  ab  2004  zulassungsfreien  Berufen  kamen in  Baden-Württemberg  zwischen 1999 und 2003 knapp 30 Auszubildende auf 100 Betriebe. Heute liegt sie bei knapp  10 Auszubildenden pro 100 Betriebe, im zulassungspflichtigen Handwerk dagegen bei knapp50.  "Viele  der  Gründer bleiben  Soloselbstständige,  die  nicht  ausbilden",unterstrich  Möhrle. 

Wie  man  dem  dualen Ausbildungssystem  eine  Vorbildfunktion  für  ganz  Europa  zuschreiben  könne und gleichzeitig diesen Erfolg bedrohe, sei vollkommen unbegreiflich. Auch aus Sicht  des  europäischen  Binnenmarktes  sei  die  Meisterpflicht  kein  Hindernis.  Es  gebe  schon  heute genügend  Möglichkeiten,  wie  sich  ausländische  Handwerker  in  Deutschland  selbstständig  machen  können.  Eine  weitere,  die  Gleichwertigkeitsfeststellung  nach  dem  Berufsqualifikationsfeststellungsgesetz, kam 2012 dazu.