20. Mai 2014

„Welten verbinden“ auf der OTWorld

Werner Dierolf
Werner Dierolf

„Welten verbinden“ war das Motto von Klaus-Jürgen Lotz, dem Präsidenten des Bundesinnungsverbandes für Orthopädietechnik (BIV-OT), und er nahm als Moderator der feierlichen Eröffnungsveranstaltung damit vor allem Bezug auf die zahlreichen Disziplinen, die auf der OTWorld vertreten sind. Grußworte gab es von Martin Buhl-Wagner, Sprecher der Geschäftsführung der Leipziger Messe GmbH, dem Oberbürgermeister der Stadt Leipzig, Burkhard Jung, von Werner Dierolf, dem Präsidenten des Zentralverbandes Orthopädieschuhtechnik (ZVOS) und vom Präsidenten der International Society for Prostethics and Orthetics (ISPO), Bengt Söderberg.

Kongresspräsident Prof. Wolfram Mittelmeier sprach in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Programmkomitees seinerseits über wichtige Verbindungen, nämlich die zwischen behandelndem und verschreibendem Arzt und dem ausführenden Techniker: Zum Wohle des Patienten und im Interesse der Arbeitsplatzerhaltung und -schaffung müsse dabei die Gesamtstruktur stimmen: „Vom Arzt zum Techniker und wieder zum Arzt.“ Zudem sei die technologische Entwicklung in den letzten Jahren förmlich „explodiert“, was ständige Fortbildung und stärkere Zusammenarbeit mit den Kostenträgern erforderlich mache. Auch die Suche nach motiviertem Nachwuchs dürfe nicht vernachlässigt werden. Vor allem aber sei es wichtig, administrativen Aufwand zu reduzieren, damit die Arbeit flüssiger laufen könne.

Swetlana Drosdowa, Bereichsleiterin für Angelegenheiten der Behinderten im Ministerium für Arbeit und Sozialversicherung Russlands, sagte, dass der Integration von Behinderten eine hohe Priorität in ihrem Land eingeräumt werde. Einige Aussteller am russischen Gemeinschaftsstand sind Teil des von ihr vertretenen Ministeriums.

Die Festrede selbst wurde gehalten von der Ministerpräsidentin des Freistaates Thüringen, Christine Lieberknecht. Sie spannte darin einen weiten Bogen vom Universalgenie Johann Wolfgang von Goethes, der mit der Eisernen Hand Götz von Berlichingens der Prothese ein literarisches Denkmal gesetzt hat, sich sehr für Orthopädie-Technik interessierte und Johann Georg Heine, den Begründer der Orthopädie in Deutschland, persönlich zu sich nach Hause einlud, über die alten Traditionslinien eines „Kunst-Handwerks“, die sich in Mitteldeutschland auch unter den Bedingungen der modernen Wirtschaft bis heute behauptet haben, bis hin zu ihrem hochbetagten Schwiegervater, der seit seiner Verwundung im Zweiten Weltkrieg ohne Füße leben muss. Lieberknecht nahm dieses Beispiel zum Anlass für einen bewegenden Appell an das Partnerland: „Möge diese Partnerschaft ein Statement für den Frieden sein!“

Den Keynote-Vortrag „Orthopädietechnik im Wandel der Gesellschaft“ als Bestandsaufnahme und Ausblick hielt zum Abschluss der Veranstaltung wieder BVI-Präsident Lotz. „Die Versorgung ist aktuell gut – aber auch teuer“, konstatierte er, und der demographische Wandel stelle künftig hohe Anforderungen. Kritisch setzte er sich dann mit denjenigen Passagen des Koalitionsvertrages auseinander, die sich mit Themen der Krankenversicherung befassen. Der Schwerpunkt der Arbeit müsse auf interdisziplinärer Zusammenarbeit und offenem Gedankenaustausch liegen – eben im „Welten verbinden“. Trotz aller bestehenden Unzulänglichkeiten im deutschen Versorgungssystem sieht Lotz keinen Grund für Existenzangst in der Branche: „Der Markt wächst rasant. Unser Ziel muss die effiziente Patientenversorgung sein.“