20. Mai 2014

Neues Kongress-Format „Battle-Session“ - kontrovers, aber unblutig

Foto: Rike/pixelio.de
Foto: Rike/pixelio.de

Mit der Battle-Session führte der Kongress der OTWorld ein neues Veranstaltungsformat ein. Zwei Experten mit konträren Standpunkten diskutierten gestern die Vor- und Nachteile moderner konservativer und operativer Therapieverfahren bei angeborenen Klumpfüßen.

Der angeborene Klumpfuß bei Kindern wurde früher oft ausschließlich chirurgisch behandelt. Inzwischen hat sich das konservative Therapiekonzept nach Dr. Ponseti weltweit durchgesetzt und verbreitet. Diese Methode wurde von dem in Spanien geborenen Orthopäden in den 1950er-Jahren in den USA entwickelt und setzt auf eine frühe manuelle Korrektur der Fehlstellung.

Möglichkeiten und Grenzen der Ponseti-Technik arbeiteten die beiden „Kombattanten“ deutlich heraus: Auf der einen Seite stand dabei Prof. Wolfram Mittelmeier von der Orthopädischen Klinik & Poliklinik an der Universitätsmedizin Rostock, dessen Contra-Position aber durchaus zahlreiche Zugeständnisse an die konservative Maßnahme hatte und auf das Fazit hinaus lief: „Die Rückfallquote ist mit rund 20 Prozent zu hoch – Ponseti ist ein durchdachtes Gesamtkonzept, aber noch nicht die letzte Lösung.“

Ihm gegenüber stand mit Dr. Christel Multerer vom Behandlungszentrum Aschau jedoch auch keine Verfechterin der reinen Ponseti-Lehre, denn ihre Fallbeispiele zum Einstieg riefen im gut besuchten Plenum Konsens hervor – sie ließen sich nur operativ korrigieren. Oft jedoch hätten Operationen komplizierte Narbenbildungen und zerstörte Muskulaturen zur Folge, so Multerer: „Und die Deformation bleibt noch dazu.“ Ihr Appell verwundert daher kaum: „Wenn die Ponseti-Behandlung, möglichst gleich im ersten Lebensjahr, erfolglos bleibt, kann immer noch operiert werden.“

Einig waren sich die beiden Spezialisten, dass beide Behandlungsmethoden ihre Berechtigung haben, die Grenzen ihres Einsatzes dabei von vielen individuellen Faktoren wie etwa Grad der Deformation und Alter der Patienten abhängig sind und in jedem Fall stärkere Nachkontrolle und -behandlung auch zu Studienzwecken wünschenswert sind.

Das Ziel der „Battle-Session“, nämlich die differenzierte Zuordnung und erfolgreiche Anwendung der unterschiedlichen Behandlungsmethoden, konnte anschaulich herausgearbeitet werden. Und schließlich verlief diese Form der Schlacht zwar stellenweise kontrovers, aber völlig unblutig, sodass auf das umfangreiche Therapieangebot der OTWorld glücklicherweise nicht zurückgegriffen werden musste.