29. August 2014

Kritik an Honorarverhandlungen: Arztpraxen dürfen sich über 400 Euro mehr im Monat „freuen“

Foto: photocase
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Die 800 Millionen Euro mehr, die die KBV und der GKV-Spitzenverband für die Versorgung der gesetzlich Versicherten vereinbart haben, bedeuten umgerechnet auf die über 150.000 Arztpraxen in Deutschland ein Umsatzplus von rund 400 Euro pro Monat. „Damit werden Probleme wie das Praxissterben bei den Hausärzten oder zunehmende Wartezeiten in den Facharztpraxen verschärft“, bilanziert der Vorstandsvorsitzende von MEDI GENO Deutschland, Dr. Werner Baumgärtner.

Er kritisiert, in welcher Form der GKV-Spitzenverband das Ergebnis der Honorarverhandlungen immer wieder begleite: „Jedes Jahr werden Öffentlichkeit, Versicherte und Ärzte mit hohen Millionenbeträgen konfrontiert und auf diese Weise für dumm verkauft. Das Jonglieren mit hohen Geldern löst aber nicht die Versorgungsprobleme im ambulanten Bereich, die auch weiter bestehen bleiben“, so Baumgärtner.

„Nach wie vor gibt es in der Kassenmedizin beispielsweise für Hausbesuche, Pflegeheimbesuche, Beratung und Untersuchung, Ultraschall- oder Röntgenuntersuchungen durch Haus- und Fachärzte weder feste noch angemessene Preise. Nach wie vor werden rund zehn Prozent der Leistungen im Kollektivvertrag von den gesetzlichen Krankenkassen nicht bezahlt. Gleichzeitig wird unsere Gesellschaft aber älter und kränker und die Behandlungszahlen in unseren Praxen steigen um deutlich mehr als zwei Prozent, die jetzt als Umsatzplus vereinbart wurden. Darüber hinaus steigen Personalkosten, Mieten und Kosten für Energie, Technik und Ausstattung. Das alles ist mit einer 400-Euro-Flatrate im Monat nicht getan!“

Dass eine angemessene und feste Bezahlung der ärztlichen Leistungen durchaus möglich sei, würden die Hausarzt- und Facharztverträge in Baden-Württemberg hingegen seit Jahren beweisen, meinte Baumgärtner.