15. Oktober 2014

Ausbildungsangebot im Handwerk wächst – noch 20.000 freie Ausbildungsplätze

Mehr Ausbildungsplätze – weniger Auszubildende. Die Handwerksbetriebe in Deutschland haben bis zum 30. September 128.498 Ausbildungsverträge abgeschlossen – das sind nur noch minus 1,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. In den Lehrstellenbörsen finden sich noch 20.000 unbesetzte Lehrstellen – rund 5000 mehr als im Vorjahr zum Stichtag.

  "Der deutliche Abwärtstrend des Vorjahres ist gestoppt. Dank unserer Bemühungen um alle Jugendlichen, vom Hauptschulabsolventen bis zum Studienaussteiger. Wir werden das Handwerk und sein Karriereangebot weiter ins Schaufenster stellen. Die berufliche Bildung ist gleichwertig der akademischen und muss wieder an Boden gewinnen. Für dieses Ziel steht ganz besonders das Handwerk", so Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH).

 Vor allem in den ostdeutschen Bundesländern wurde der Abwärtstrend gebremst. In Sachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern gab es einen Zuwachs, in Thüringen und Brandenburg ein kleines Minus, lediglich die schlechte Bilanz in Berlin zog das Gesamtergebnis für Ostdeutschland letztlich mit 0,9 Prozent ins Minus. In Westdeutschland ging die Zahl der Verträge um 1,7 Prozent zurück. Während sich die Situation in den meisten Bundesländern zumindest stabilisiert hat, ging die Zahl in Hessen und Bremen deutlich zurück.

Die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe ist weiter sehr hoch. In vielen Handwerkskammerbezirken signalisieren sie, dass sie auch jetzt noch bereit sind, einen Lehrling zu übernehmen. Für interessierte Jugendliche ist das Angebot in der Nachvermittlung in den kommenden Wochen daher sehr breit. In Berufen wie Anlagenmechaniker SHK, Elektroniker, Metallbauer oder Maler und Lackierer sind ebenso Plätze im Angebot wie in den Gesundheitsberufen, beispielsweise dem Augenoptiker, oder den Lebensmittelberufen. Viele Handwerkskammern beklagen, dass zu viele Jugendliche nach wie vor vollzeitschulische Maßnahmen besuchen, obwohl sie sofort für eine duale Ausbildung geeignet wären.

Die Handwerkskammern unternehmen immer größere Anstrengungen, um Bewerber und Betriebe erfolgreich zusammen zu bringen. Das zeigt exemplarisch die Auflistung des dafür mittlerweile notwendigen Personals in der Handwerkskammer der Pfalz: Neben den klassischen Ausbildungsberatern gibt es 4 Coachs für die betriebliche Ausbildung, eine Migrationsnetzwerkerin, 2 Matching-Spezialisten, 2 Betreuer für die Einstiegsqualifizierungen, einen Betreuer zur Vermeidung von Ausbildungsabbrüchen und eine Mobilitätsberaterin.

Der Tag des Handwerks am 20. September wurde von den Handwerkskammern intensiv für Events und Aktionen zur Nachwuchswerbung genutzt. Von der Ausbildungsmesse bis zur Schulpartnerschaft, von Ausbildungstagen in den Bildungszentren der Kammern bis zu großflächig beworbenen Tagen der offenen Tür in Ausbildungsbetrieben, von Einzelgesprächen in allen Schulformen bis zu "Lebenden Werkstätten" auf Volksfesten – Betriebe und Handwerksorganisationen tun alles, um die Ausbildungs- und Karrieremöglichkeiten im Handwerk den Jugendlichen zu vermitteln. Dazu kommen immer mehr gezielte Aktionen in den sozialen Medien im Internet.

(Quelle: ZDH, Foto: Fotolia)