22. Oktober 2014

Rote Füße beim Parlamentarischen Abend des ZVOS

Diabetes hat auch etwas mit den Füßen zu tun. Wem das unter den Gästen des Parlamentarischen Abends des Zentralverbandes Orthopädieschuhtechnik am  14. Oktober in Berlin noch nicht bewusst war, bekam es gleich zur Begrüßung gezeigt. Alle Gäste aus Politik, Ministerien, Krankenkassen- und Gesundheitswesen bekamen zur Begrüßung einen roten Überzieher über einen Schuh, der für das hohe Amputationsrisiko dieser Patienten sensibilisieren sollte.

Mit 80 Gästen konnte Zentralverbandspräsident Werner Dierolf am 14. Oktober 2014 so viele Teilnehmer wie nie zuvor in der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft in Berlin begrüßen, wohin der Zentralverband unter der Schirmherrschaft von Annette Widmann-Mauz eingeladen hatte.

Wie erklärt man einfach und verständlich, warum die Füße vieler Diabetiker so gefährdet sind und wie man sie schützen kann? Die beiden Referenten des Abends lösten diese Aufgabe mit Bravour. Dr. Kristina Pralle, Leiterin des Fußnetzes Berlin-Brandenburg, hielt keinen Vortrag über den Diabetes, sondern erläuterte den Teilnehmern aus Politik und Gesundheitswesen was passiert, wenn die peripheren Nerven geschädigt sind und eine diabetische Polyneuropathie entsteht.

Thomas Stief, Leiter des Forschungs- und Bildungsmanagements im Zentralverband Orthopädieschuhtechnik, erläuterte einfach und verständlich, wie man durch eine Fußbettung und Schuhzurichtung die Füße von Patienten mit diabetischem Fußsyndrom vor zu viel Druck und damit vor Verletzungen und einer Amputation schützten kann. „Jeder zweite Diabetiker entwickelt Nervenstörungen (Neuropathien) am Fuß“, erklärte Stief. Zirka 35000 Amputationen bei Diabetikern pro Jahr seien die Folge. Der Schutz vor Verletzungen durch die richtige Schuhversorgung bedeute nicht nur Lebensqualität für den Patienten, sondern auch eine deutliche Reduktion der Behandlungskosten, betonte Thomas Stief.

Nationaler Diabetesplan gefordert

Der CDU-Bundestagsabgeordnete und Gesundheitspolitiker Dietrich Monstadt, der seit dieser Legislaturperiode auch Berichterstatter für Diabetes und Adipositas der CDU/CSU-Bundestagsfraktion ist, forderte in einer engagierten Ansprache, die Anstrengungen im Kampf gegen den Diabetes zu erhöhen. Monstadt plädierte für einen nationalen Diabetesplan und liegt damit auf einer Linie mit dem ZVOS, der auch Verfechter einer nationalen Diabetesstrategie ist.

Beim Zentralverband legt man zudem Wert auf die Vernetzung der unterschiedlichen Behandler: Ärzte, Diabetologen, Podologen und Orthopädieschuhmacher. Vor diesem Hintergrund wurde in den vergangenen Jahren auf Verbandsebene auch ein Netzwerk zu Diabetes-Verbänden gespannt. Und so wurde der  Parlamentarische Abend auch von diabetesDE (Deutsche Diabetes-Hilfe), der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG), der AG Diabetischer Fuß sowie der Aktion „Amputationen verhindern“ unterstützt

Amputationen gemeinsam verhindern

Das Ziel, Amputationen zu verhindern, griff Werner Dierolf in seinem Schlusswort auf. „Für die Versorgung der Patienten müssen auch die nötigen Mittel zur Verfügung stehen“. Festzuschüsse zu Hilfsmitteln, bei denen die Patienten nur einen kleinen Teil der Kosten erstattet bekommen bedeuteten eine Abkehr vom Sachleistungsprinzip. Das sei in keiner Weise für Patienten geeignet, die ihre Füße nicht mehr spüren und deshalb subjektiv keinen Leidensdruck haben, ihre Füße entsprechend zu schützen. „Wer Amputationen verhindern will, muss den Patienten auch den Zugang zu den  nötigen, individuellen Hilfsmitteln ermöglichen“, forderte Dierolf.