02. Dezember 2014

DDG: Präventionsgesetz geht an den wirklichen Problemen vorbei - Verhältnisprävention vonnöten

Foto: Tim Reckmann/pixelio
Das Überangebot an Fastfood und Snacks und zu wenig Bewegung im Arbeitsleben erschwert es den Menschen, einen gesunden Lebensstil anzunehmen. Die DDG fordert daher einen Paradigmenwechsel hin zur Verhältnisprävention. Foto: Tim Reckmann/pixelio

Anlässlich der Anhörung zum Präventionsgesetz im Bundesgesundheitsministerium am 26. November 2014 hat die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) den Ansatz kritisiert, der dem Gesetz zugrunde liegt. Bereits heute gebe es hunderte von Präventionsangeboten sowie vielfältige Informationen und Appelle an die Vernunft des Einzelnen. Die in den letzten Jahrzehnten dramatisch gestiegene Zahl der chronischen Krankheiten mache das Scheitern dieser Strategie deutlich. "Das Präventionsgesetz wird zum Scheitern verurteilt sein, wenn es nicht gelingt, statt einer Ausweitung der Projektitis zu einer nachhaltigen Veränderung von Strukturen zu kommen", so die DDG.

Der Gesetzentwurf der Bundesregierung will im Wesentlichen Angebote zur individuellen Verhaltensprävention fördern und ausweiten. Ziel ist es, Menschen in ihren Lebenswelten, wie Kitas, Schulen und Betrieben, dafür zu gewinnen, einen gesünderen Lebensstil anzunehmen. Privatdozent Dr. Erhard Siegel, Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft, bilanziert: „Die in den letzten Jahrzehnten dramatisch gestiegene Anzahl der nichtübertragbaren Krankheiten macht deutlich, dass diese Strategie gescheitert ist. Vor allem haben diese Angebote nur diejenigen erreicht, die sich ohnehin gesundheitsbewusst verhalten, aber nicht die bildungsfernen Schichten, Menschen mit Migrationshintergrund und andere schwer erreichbare Gruppen.“

Heute seien hochkalorische Nahrung, Fastfood und Snacks rund um die Uhr im Angebot. Bewegung und körperliche Anstrengung sind für viele Menschen aus Beruf und Freizeit verschwunden. Dr. Siegel betont: „Daher brauchen wir einen Paradigmenwechsel hin zur Verhältnisprävention, welche für alle Menschen eine Umwelt schafft, die einen gesunden Lebensstil erleichtert. Appelle und erhobene Zeigefinger erreichen nichts.“

Unzureichende Finanzmittel
Der Gesetzentwurf möchte die Mittel für Prävention und Gesundheitsförderung in Deutschland um etwa 250 Millionen Euro auf 500 Millionen Euro steigern (7 Euro pro Versichertem). Diese Finanzmittel erscheinen der DDG vollkommen unzureichend angesichts der Dimension des Problems, zumal sie über viele Lebenswelten und viele Einzelmaßnahmen verteilt werden sollen.

So soll die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) mit 35 Millionen Euro für gesundheitliche Aufklärungsmaßnahmen ausgestattet werden. Dem steht die Werbung der Lebensmittelindustrie gegenüber, die vorrangig ungesunde Nahrungsmittel mit viel Zucker, Fett und Salz bewirbt: beispielsweise Süßwaren, stark zuckerhaltige Frühstückscerealien, verschiedene Milchprodukte, Softdrinks sowie fett- und salzreiche Knabberwaren, kritisiert die DDG.

Verhältnisprävention gefordert
Dr. Dietrich Garlichs, Geschäftsführer der DDG, erklärt: „Der BZgA stehen für ihre Informations- und Aufklärungsarbeit nicht einmal ein Prozent des Budgets allein der Süßwarenwerbung zur Verfügung.“ Dieses eklatante Missverhältnis zwischen Verbraucherinformation und Werbung werde auch mit den erhöhten Mitteln für die BZgA in keiner Weise korrigiert. „Wir brauchen eine Präventionspolitik, die es den Menschen leichter macht, einen gesunden Lebensstil anzunehmen, also eine wirkungsvolle und bevölkerungsweite Verhältnisprävention“, mahnt Dr. Garlichs. Dazu gehören beispielsweise täglich mindestens eine Stunde Bewegung (Sport) in Kita und Schule sowie adipogene Lebensmittel zu besteuern und gesunde Lebensmittel zu entlasten (Zucker-/Fettsteuer).

Deutschland sollte zum Vorreiter für eine wirkungsvolle Verhältnisprävention werden, so die Forderung er DDG. Nur wenn es gelinge, das Anschwellen der chronischen Krankheiten zu bremsen, könne die Gesellschaft auch in Zukunft eine gute Versorgung chronisch Kranker garantieren.