11. Februar 2015

Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik fordert personenbezogene Mindestmenge pro Operateur

stockdevil/fotolia.com
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Seit dem ersten Januar gilt: Krankenhäuser bekommen den Einsatz von Kniegelenks-Totalendoprothesen (Knie-TEP) nur dann von der Kasse erstattet, wenn sie diese Operation mindestens 50 Mal im Jahr durchführen. Die Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik e. V. unterstützt es ausdrücklich, dass Operateure Routine entwickeln, da dies die Qualität der Eingriffe sichere. Die Entscheidung des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) für eine klinikübergreifende Mindestmenge sei jedoch nicht ausreichend. Um die Qualität zu erhöhen, sei zusätzlich eine personenbezogene Mindestquote pro Operateur und Jahr erforderlich, so die AE.

Anfang dieses Jahres setzte der G-BA in Folge einer Entscheidung des Bundessozialgerichts den Beschluss erneut in Kraft: Bereits von Ende 2005 bis 2011 galt eine Mindestmenge von 50 Knie-TEPs pro Jahr und Klinik, um diese Operation bei den Krankenkassen abrechnen zu können. Das Bundessozialgericht begründete seine Entscheidung damit, dass mit durchschnittlich einer Knie-TEP pro Woche eine hinreichende Behandlungsqualität gewährleistet sei.

Nach Aussagen der Deutschen Gesellschaft für Endoprothetik (AE) zeigen Studien, dass sowohl Mindestmengen pro Einrichtung als auch pro Operateur das Ergebnis verbessern. „Wir begrüßen es, wenn vorrangig Kliniken diese Operation durchführen, die unter dem Strich gesehen ausreichend Erfahrung vorweisen können“, sagt Professor Dr. med. Karl-Dieter Heller, Generalsekretär der AE. Die AE empfiehlt zudem eine personenbezogene Quote. „Nur so können wir gewährleisten, dass ein genau in diesem Eingriff erfahrener Kollege die Operation durchführt“, sagt Heller, der Chefarzt am Herzogin-Elisabeth-Hospital, Orthopädische Klinik Braunschweig ist.

Auch Teilgelenkersatz und Wechseloperationen mitzählen
Darüber hinaus empfiehlt die AE, neben der Kniegelenk-Totalendoprothese auch den Teilgelenkersatz und die Wechseloperationen unter der Mindestmenge zu erfassen. Denn derzeit dürfen Kliniken unabhängig von der Mindestmenge Gelenke wechseln und Teile des Knies mit einer so genannten „Schlittenprothese“ versorgen. „Daraus ergibt sich die groteske Situation, dass einige Abteilungen keine Totalendoprothesen mehr implantieren dürfen, aber dennoch Teil- und Wechseloperationen durchführen“, meint Heller. Doch insbesondere auch die Wechsel sollten erfahrene Operateure vornehmen.

Der Präsident der AE und Ärztliche Direktor der Orthopädischen Universitätsklinik der Rehabilitationskliniken Ulm (RKU), Prof. Heiko Reichel, betont jedoch, dass Quoten allein für eine umfassende Qualitätssicherung nicht ausreichen: „Die AE unterstützt zudem die Einführung des Endoprothesenregisters und ist an der Zertifizierung von Endoprothetikzentren beteiligt.“ Zudem dürfe eine Operation erst dann in Frage kommen, wenn konservative Behandlungsmethoden ausgeschöpft sind.