11. Februar 2015

Forschungsprojekt entwickelt lernendes, interaktives System für Diabetiker

Foto: PFH Göttingen
Partner für das Projekt GlycoRec (v.l.n.r.): Jan Raacke (PFH), Prof. Dr.-Ing. Dominikus Heckmann (OTH Amberg-Weiden), Dr. med. Janko Schildt, Dr. med. Markus Bentrup (beide Emperra), Dr. Eelco Herder (L3S), Prof. Dr. Stephan Weibelzahl (PFH) und Markus Rokicki (L3S). Nicht im Bild sind Prof. Dr. Karsten Müssig und Dr. Olaf Spörkel (beide DDZ). Foto: PFH Göttingen.

Diabetikern im Alltag zu helfen, komplexe Entscheidungen zu treffen und Vorsätze tatsächlich umzusetzen – das ist das Ziel des Forschungsprojektes "GlycoRec". Dabei handelt es sich um ein adaptives, lernendes System, auch interaktives Bio-Life-Logging genannt, das verschiedene Patientendaten auswertet und Handlungsoptionen zum Beispiel über Smartphone-App bereitstellt.

Die Koordinationsstelle des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit 1,4 Millionen Euro geförderten Projektes befindet sich an der PFH Privaten Hochschule Göttingen im Bereich Wirtschaftspsychologie. Weitere Projektpartner sind das Unternehmen Emperra E-Health Technologies aus Potsdam, das L3S Forschungszentrum an der Leibniz-Universität Hannover, die Ostbayerische Technische Hochschule Amberg-Weiden sowie das Deutsche Diabetes Zentrum. Anfang Februar 2015 startete das Forschungsvorhaben in die Umsetzungsphase.

Was ist GlycoRec?
GlycoRec (von "Glycose" und "Recommendation" [Empfehlung])  sammelt individuelle Patientendaten mit Hilfe einer Reihe physiologischer Sensoren (Blutzucker, Körpergewicht, Blutdruck) sowie Informationen über den individuellen Kontext (zu Hause, unterwegs, im Supermarkt, Wochentag, Tageszeit, Metainformationen von Lebensmitteln).

Anschließend erfolgt eine Analyse der aktuellen Situation. Dies lässt sich auf zweierlei Arten nutzen: Erstens kann der Patient um Hilfe bei einer Entscheidung bitten. In einem interaktiven Beratungsdialog kann er Alternativen für Ernährung, Aktivitäten und Medikamenteneinnahme vergleichen und deren Konsequenzen durchspielen.  Zweitens kann aber auch das System die Initiative ergreifen, etwa weil die prognostizierten Werte einen Toleranzbereich zu verlassen drohen. Auch in diesem Fall kann der Patient individuelle Handlungsoptionen gegeneinander abwägen. Abrufen kann der Nutzer diese Informationen je nach Vorliebe unterwegs über eine Smartphone-App oder zu Hause über Smart-TV.

Ziele und Vorgehen
Durch kontinuierliche Sammlung, Speicherung, Aufbereitung und Analyse physiologischer Daten und Umgebungsdaten werden individuelle Benutzer- und Kontextmodelle entwickelt. Diese erlauben es, sehr viel genauere Prognosen und individuelle Empfehlungen für den Patienten zu geben. GlycoRec stellt eine erweiterbare, integrierte Infrastruktur aus Sensorik, Modellierung und Patienteninteraktion zur Verfügung. Um eine solche Infrastruktur bereitzustellen, ist es notwendig, neue Technologien und Methoden in der Sensorik, der Modellierung und der Benutzerinteraktion zu entwickeln. Das Projektteam plant, in drei Jahren einen Prototyp entwickelt zu haben.

Prozessdiagramm zum Projekt GlycoRec. Grafik: PFH Göttingen