11. Februar 2015

Problemzone Knie: Weltweit erstes Knorpelregister ermöglicht Langzeitbeobachtung nach Knorpeloperationen

Rund ein Jahr nach seiner Einführung führt das weltweit erste Knorpelregister der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V. (DGOU) über 800 Operationsdaten nach knorpelchirurgischen Eingriffen. Es verfolgt den Heilungsverlauf nach Knieoperationen zur Knorpelreparatur, auch unter aktiver Einbeziehung der Betroffenen, über einen Zeitraum von fünf Jahren und ermöglicht die Zusammenführung der Daten von bereits über 50 teilnehmenden Kliniken. „Mit dem erfolgreichen Start des KnorpelRegisters DGOU ergänzen wir unsere umfangreiche Registerarbeit im Fach Orthopädie und Unfallchirurgie, die die Versorgung unserer Patienten sicherer und effektiver machen soll“, freut sich Professor Bernd Kladny, Generalsekretär der DGOU.

Die umfangreichen Datenmengen erlauben den Experten die präzise Beantwortung wissenschaftlicher Fragen, den Vergleich verschiedener Operationstechniken und die Auswertung von Komplikationen, erklärt die DGOU. Dies sei umso wichtiger, als das Knie das für Verletzungen anfälligste Gelenk des Menschen sei.

„Knorpelschäden, beispielsweise nach einem Sportunfall, werden in etwa 60 Prozent aller durchgeführten Kniearthroskopien diagnostiziert. Auch wenn viele dieser Knorpelschäden fortgeschrittene Schädigungen im Sinne einer Arthrose aufweisen, für die eine knorpelreparierende Therapie nicht mehr indiziert ist, so ist ein relevanter Anteil dieser Schädigungen für eine Knorpelersatzoperation geeignet“, sagt Professor Dr. Philipp Niemeyer von der AG Klinische Geweberegeneration der DGOU und Mitinitiator des KnorpelRegisters DGOU. Chirurgische Verfahren zur Regenerierung von Knorpelgewebe, zu denen Knorpelzelltransplantationen und knochenmarkstimulierende Techniken zählen, haben in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen. Sie dienen der Heilung des Knorpeldefekts durch den Einsatz körpereigenen Knorpelgewebes bzw. ermöglichen das Nachwachsen von Ersatzknorpelzellen.

Neben der Beschwerdelinderung dient die Knorpelchirurgie auch der Prävention von Arthrose. Denn viele der anfänglich klar umrissenen Knorpelschäden weisen eine Tendenz zur Ausweitung auf größere Knorpelflächen auf und stellen unbehandelt in vielen Fällen den Ausgangspunkt einer Arthrose dar. Eine Knorpelreparatur ist jedoch nur bei sehr kleinen Defekten möglich.

„Das KnorpelRegister DGOU ist eine Win-Win-Option für alle Beteiligten“, sagt Professor Dr. Philipp Niemeyer von der AG Klinische Geweberegeneration der DGOU. Von dem Register profitieren die Wissenschaftler für die Versorgungsforschung und die Patienten, indem sie durch das regelmäßige Ausfüllen online-gestützter Fragebögen zum Zeitpunkt der Operation bis fünf Jahre danach einer besseren Kontrolle und Beurteilung ihres Genesungsverlaufes unterliegen. Und auch für bisher nicht am Register beteiligte Experten ergibt sich ein positiver Effekt – sie profitieren von den Forschungsergebnissen und können zukünftig eine Knorpeltherapie auf neuestem medizinischem Niveau leisten“, sagt Niemeyer, der als Sektionsleiter Knorpelchirurgie an der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am Universitätsklinikum Freiburg arbeitet.

Erste Auswertungen und wissenschaftliche Publikationen aus dem KnorpelRegister DGOU plant die AG Klinische Geweberegeneration der DGOU für diesen Herbst. „Es wird allerdings noch einige Zeit in Anspruch nehmen, bis wir die Ergebnisse in eine Leitlinie einfließen lassen können“, sagt Niemeyer.

www.knorpelregister-dgou.de