11. Februar 2015

Orthopäden und Unfallchirurgen lehnen den eigenständigen Beruf des Osteopathen ab

Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V. (DGOU), die Deutsche Gesellschaft für Manuelle Medizin e.V. (DGMM) und der Berufsverband der Orthopäden und Unfallchirurgen (BVOU) lehnen den eigenständigen Beruf des Osteopathen ab und halten fest, dass es in Deutschland eine gute und flächendeckende osteopathische Versorgung durch Ärzte und Physiotherapeuten gibt. Die Orthopäden und Unfallchirurgen sprechen sich damit ausdrücklich gegen die vom Verband der Osteopathen e.V. geforderte Einführung eines nichtärztlichen Osteopathen aus, der ohne umfassende medizinische Ausbildung direkten Zugang zum Patienten erhält.

„Osteopathische Verfahren sind nur durch die ärztliche Diagnose und Therapie unter Berücksichtigung der Kontraindikationen für den Patienten transparent und vor allem sicher“, sagt Professor Bernd Kladny, Generalsekretär der DGOU.

Osteopathie ist Teil der Manuellen Medizin. Sie ist bei vielen von Schmerzen begleiteten Funktionsstörungen und Erkrankungen, insbesondere am Bewegungsorgan, etwa bei Knie-, Schulter- und Rückenschmerzen, eine wirksame Alternative bzw. Ergänzung zu einer medikamentösen Behandlung oder zu operativen Eingriffen.

In Deutschland sind Ärzte zu osteopathischen Diagnose- und Therapieverfahren befähigt, nachdem sie die Zusatzweiterbildung „Manuelle Medizin/Chirotherapie“ und zusätzliche Fortbildungen absolviert haben. Darüber hinaus hat der Arzt die Möglichkeit, ausgewählte osteopathische Verfahren nach ärztlicher Diagnose und Ausschluss von Kontraindikationen an einen in Osteopathie ausgebildeten Physiotherapeuten zu delegieren. Die umfassende Kontrolle des Therapieverlaufes obliegt jedoch dem Arzt.

„Dieses fundierte System ärztlicher und physiotherapeutischer Profession im Rahmen osteopathischer Behandlungen ist sehr bewährt und fußt auf einer leitliniengerechten ganzheitlichen Betrachtung des Patienten und einer durch die Bundesärztekammer strukturierten Fortbildung für Ärzte unter Einbeziehung wissenschaftlicher Bewertung und Qualitätssicherung“, so die Auffassung von Dr. Matthias Psczolla, Präsident der DGMM.

Kein anderes Land habe so viele in „Manueller Medizin/Osteopathie“ weiter- und fortgebildete Fachärztinnen und Fachärzte als Deutschland. Ein neuer osteopathischer Beruf sei daher überflüssig und würde der Patientensicherheit und Behandlungsqualität schaden. Zudem biete er Raum für die Ausweitung nichtärztlicher Heilberufe mit direktem Zugang zum Patienten bei zum Teil unklaren Ausbildungsinhalten“, sagt Psczolla. Es gebe in Deutschland Schulen und Fachhochschulen, die zunehmend auch weitestgehend medizinische Laien in Curricula zwischen 300 und 5.000 Stunden zum „Osteopathen“ ausbilden. „Das ist eine Zeitspanne, die gegen einen professionell gesicherten Berufsstand spricht“, sagt Psczolla.