24. März 2015

Fehlervermeidung in der Chirurgie: Sicherheitsmaßnahmen haben zugenommen

Foto: Kzenon/fotolia.de
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Vor zehn Jahren ist das Thema Patientensicherheit auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) zum ersten Mal in der Öffentlichkeit diskutiert worden. Seither wurden verschiedene Maßnahmen zur Vermeidung von Patientenschäden bei operativen Eingriffen entwickelt. Eine Umfrage unter mehr als 3000 Chirurgen belegt nun, dass deutsche Krankenhäuser viele Sicherheitsmaßnahmen eingeführt haben.

So nutzen 90 Prozent der befragten Kliniken Sicherheits-Checklisten sowie die Anzeichnung der späteren Schnittführung mit nicht abwaschbaren Stiften auf der Haut, um Seitenverwechslungen auszuschließen. „Damit sind auf dem Gebiet der Patientensicherheit enorme Fortschritte gemacht worden“, erklärt Professor Dr. med. Peter M. Vogt, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH).

Das Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS) schätzt, dass in deutschen Krankenhäusern jährlich etwa 17. 000 Patienten wegen medizinischer Fehler sterben. Zu den häufigsten Ursachen gehören Krankenhausinfektionen, die Verwechslung von Patienten oder der zu operierenden Körperpartien, Kommunikationsstörungen und mangelnde Qualifikation. „Als weitere Fehlerquelle kommt inzwischen Personalknappheit hinzu, eine Folge des DRG-Abrechnungssystems“, erläutert Professor Dr. med. Matthias Rothmund, der das Thema Patientensicherheit vor zehn Jahren auf die Agenda des DGCH-Kongresses setzte.

Anhand von internationalen Klinikvergleichen und methodischen Entlehnungen aus anderen risikobehafteten Berufsfeldern wie der Luftfahrt wurden deshalb in den vergangenen zehn Jahren Maßnahmen identifiziert, die geeignet sind, die Sicherheitsstandards erhöhen. So können Identifikationsarmbänder Verwechslungen bei Patienten vorbeugen, Schnittmarkierungen mit einem nicht abwaschbaren Stift Eingriffe an der falschen Körperseite etwa bei Leistenbruch-Operationen oder Meniskus-Entfernungen verhindern. „Sehr hilfreich sind auch Checklisten, die vor Beginn einer Operation abgearbeitet werden“, so Rothmund. Sie stellen sicher, dass es sich um den richtigen Patienten handelt, die korrekte Seite operiert wird, Röntgenbilder und benötigte Implantate vorliegen. Schulungen, anonyme Fehlermeldesysteme sowie Morbiditätskonferenzen, in denen Todesfälle offen besprochen werden, runden das Sicherheitspaket ab.

Vor zehn Jahren gab es solche Maßnahmen an deutschen Kliniken und Abteilungen nur vereinzelt. Wie eine neue Umfrage zeigt, hat sich dies gründlich geändert. Im Herbst vergangenen Jahres wollten DGCH und Berufsverband Deutscher Chirurgen (BDC) von ihren Mitgliedern wissen, wie es um die Sicherheitskultur an deutschen Kliniken bestellt ist. „Es antworteten mehr als 3000 Chirurginnen und Chirurgen“, berichtet DGCH-Experte Rothmund.

Ergebnis des repräsentativen Rücklaufs: Checklisten und Körpermarkierungen sind an mehr als 90 Prozent der befragten Kliniken Standard. Identifikationsarmbänder, Fehlermeldesysteme und Morbiditätskonferenzen nutzen 75 Prozent aller Krankenhäuser, Sicherheitsschulungen gibt es an zwei Drittel aller Kliniken. „Ob sich aufgrund der verbesserten Sicherheitskultur weniger tödliche Zwischenfälle ereignet haben, lässt sich allerdings nicht sicher zurückverfolgen“, so Rothmund. Experten gehen jedoch davon aus.