14. Juli 2015

Innovatives dreidimensionales Röntgenverfahren: Skelett unter Belastung darstellbar

(Foto: Orthopädische Universitätsklinik Friedrichsheim)

Als erstes Hochschulkrankenhaus Deutschlands hat die Orthopädische Universitätsklinik Friedrichsheim in Frankfurt am Main ein völlig neuartiges Röntgensystem in Betrieb genommen. Die neue Untersuchungsstation ermöglicht erstmals eine dreidimensionale Darstellung der analysierten Körperpartien im Stehen und damit in der Funktion und liefert damit deutlich präzisere Informationen über das Skelett in der Belastung bei Patienten als bisherige Röntgen-Untersuchungen.

"Die wertvollen Informationen ermöglichen eine sehr präzise Diagnostik statischer Probleme, eine besser angepasste Behandlung und eine optimale Kontrolle der Therapie", sagt die Ärztliche Direktorin und Geschäftsführerin der Universitätsklinik Friedrichsheim, Univ.-Prof. Dr. med. Andrea Meurer.

Darstellung im Belastungszustand eröffnet neue Möglichkeiten
Denn erstmals könne der stehende Mensch komplett abgebildet werden. Das ist bei anderen bildgebenden Verfahren wie Computer- oder Magnetresonanz-Tomographie nicht möglich. Dort muss der Patient liegen. Die komplette Darstellung der Wirbelsäule und der Gelenke im vollen Belastungszustand eröffne völlig neue Möglichkeiten, so die Ärztliche Direktorin: "Das ist in der Orthopädie deshalb besonders wichtig, weil die Beine das gesamte Gewicht eines Menschen tragen und im Falle von Abweichungen und Krankheiten dort große statische Probleme auftreten können."

Zu den Hauptanwendungsbereichen gehören neben Beingelenken und Wirbelsäule Fehlstellungen des Beckens, Differenzen bei Beinlängen oder Achsenabweichungen der Beine (zum Beispiel O-Beine) sowie die Analyse von Positionen und Funktionen künstlicher Gelenke. Aufgrund der geringen Strahlendosis soll EOS in Frankfurt zukünftig besonders auch bei Kindern eingesetzt werden. Entsprechende Vorbereitungen und Forschungen laufen derzeit.

Die Röntgen-Technologie
Ingenieure, Orthopäden, Chirurgen und Radiologen in Frankreich haben die revolutionäre Röntgen-Technologie gemeinsam erforscht. Maßgeblich mitentwickelt wurde die an eine Kabine erinnernde Diagnosestation von dem inzwischen verstorbenen französischen Nobelpreisträger und Physiker Georges Charpak. Nach Angaben der Herstellerfirma arbeite das neue Verfahren mit einer extrem niedrige Strahlendosis. Diese liege bis zu zehnmal niedriger als bei traditionellen Methoden. Weil die dreidimensionale Skelettanalyse ein umfassendes Patientenbild liefere, seien auch deutlich weniger Untersuchungen nötig. Eine mittlere sechsstellige Summe hat die Orthopädische Universitätsklinik in die neue Spitzendiagnostik investiert, ein Großteil hiervon stammt aus den Mitteln der Stiftung Friedrichsheim, die damit medizinischen Fortschritt in der Orthopädie voranbringen möchte.