18. November 2015

ZDH-Kampagne: Aus dem Hörsaal in die Werkstatt

Foto: Björn Ewers
Clarissa Lotter wirbt für die Orthopädieschuhtechnik.Fotos: Björn Ewers

Für Studierende, die an der Universität unzufrieden sind, kann eine Ausbildung im Handwerk die bessere Wahl sein – das ist die Kernbotschaft der bundesweiten Impuls-Aktion „Wall of Fame“. Sie beginnt am 16. November und endet Mitte Dezember.

Im Rahmen der Kampagne berichten ehemalige Studienaussteiger darüber, wie sie im Handwerk ihre Erfüllung gefunden haben. Denn gerade einmal rund 31 Prozent der Aussteiger aus Bachelor-Studien­­gängen beginnen laut DZHW eine Ausbildung. Dabei bietet das Handwerk Studienaussteigern attraktive Ausbildungsplätze in über 130 Berufen mit viel Praxis, eigenem Gehalt und guten Aufstiegs­chancen. Studienaussteiger können die Ausbildung sogar von drei auf zwei Jahre verkürzen. Wenn sie im Anschluss den Meisterbrief machen, haben sie zudem einen Abschluss, der dem Bachelor gleichgestellt ist.

Clarissa Lotter wirbt für die Orthopädieschuhtechnik
Der Weg vom Hörsaal in die Werkstatt ist bei Studenten aber noch nicht hinreichend bekannt. Im Rahmen der Kampagne begeistern acht ehemalige Studienaussteiger, die nun glücklich im Handwerk gelandet sind, unzufriedene Studierende oder Studienabbrecher für eine Karriere im Handwerk und teilen ihre Erfahrungen mit ihnen. Kurze Videosequenzen zeigen die acht als „Helden des Handwerks“ seit dem 16. November bundesweit an Gebäudefassaden rund um Univer­sitäten sowie auf
www.hand­werk.de/walloffame, auf Facebook, YouTube, Instagram und weiteren Websites.

Auch Clarissa Lotter  bemerkte während ihres Studiums, dass ihr das Handwerk besser liegt. Nachdem sie zunächst Textilmanagement und Lingustik studierte, ist sie heute Auszubildende in der Orthopädieschuhtechnik und bereut ihre Entscheidung nicht, wie sie im Interview mit „Das Handwerk erklärt: „Ins Handwerk zu gehen, war für mich eine Erleichterung, weil ich merkte, dass eine Ausbildung das Richtige ist. Der ausschlaggebende Faktor für die Wahl zur Ortho­pädieschuhmacherin war, dass ich mit Menschen zu tun haben würde. Auch die Arbeit mit unterschiedlichen Materialien gefällt mir, ebenso der Aspekt, mit den eigenen Händen Schuhe zu bauen. Es wird in Zukunft immer mehr ältere Menschen geben, deswegen ist es ein Beruf, der gebraucht wird. Wenn man dem Kunden seine Schuhe überreicht und sie ihm passen, ist das ein schönes Gefühl. Durch meinen Beruf kann ich dazu beitragen, dass Menschen weniger Schmerzen haben, mobil werden und besser durch ihr Leben kommen.“

Zur Orthopädieschuhtechnik kam sie über Empfehlungen einer Bekannten. Doch bevor sie in den Beruf einstieg, arbeitete sie zunächst bei Ihrem Ausbildungsbetrieb einige Tage zur Probe. Danach konnte sie sofort ins laufende Ausbildungsjahr einsteigen, da sie durch ihr Abitur die Lehrzeit verkürzen kann.

Was raten die „Helden des Handwerks“ unzufriedenen Studierenden?
„Wenn ihr mit eurem Studium unglücklich seid, hört auf. Verschafft euch einen Einblick in einen Beruf, den ihr euch vorstellen könntet, zum Beispiel mit einem Praktikum in den Semesterferien“, so Sara Pukall, eine weitere Studentin, die sich für das Handwerk entschied. Benjamin Steffen wechselte vom Maschinenbaustudium zum Metallbau-Handwerk. Er rät: „Ein Studium durchzuziehen, hinter dem man nicht steht, ist nicht sinnvoll. Auch wenn Eltern womöglich anders denken und meinen, dass man mit einem Studium mehr verdient. Im Handwerk gibt es so viele gute Chancen, erfolgreich zu sein.“

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