02. Dezember 2015

Große Hürden für die geplante Fusion

Die Fusion ist noch nicht durch, doch zusammengearbeitet wird trotzdem (v.l): Philip Zech, Tamara Janetzky (Innungsgeschäftstelle), Bernd Rosin-Lampertius, Reiner Schumacher, Thomas Suhr. (Foto: Wolfgang Best)

Die Landesinnung Nord-Ost besteht offiziell noch nicht. Das hielt die fusionswilligen Innungen und deren Obermeister jedoch nicht davon ab, ihre Innungsversammlungen am 6. und 7. November in Berlin gemeinsam abzuhalten. Für die Fusion müssen jedoch noch einige Hindernisse überwunden werden.

Nachdem die Innungen Nord, Mecklenburg Vorpommern und Berlin im vergangenen Jahr jede für sich beschlossen hatten, eine gemeinsame Innung Nord-Ost zu gründen, sollte in Berlin in diesem Jahr eigentlich die Fusionsversammlung stattfinden. „Ich hätte nicht damit gerechnet, dass der Fusion so viele Hindernisse im Weg stehen“, bekannt Angela Bartsch-Widmaier von der Handwerkskammer Berlin, die das Fusionsprojekt betreut. Der Wind habe sich gedreht bei Innungsfusionen berichtete sie. Diese seien auch bei anderen Handwerken schwierig geworden. Ein Grund könnten die Beiträge sein, die die Kreishandwerkerschaften durch die Fusionen verlieren würden, vermutete Innungsgeschäftsführer Bernd Rosin-Lampertius. Offiziell würden im Fall der drei Innungen jedoch Einwände wie eine fehlende gemeinsame Ländergrenze zwischen den fusionswilligen Innungenvorgebracht.

„Das Recht des freien Handwerks wird mit Füßen getreten“, kritisierte Thomas Suhr, Obermeister Mecklenburg-Vorpommern die Situation. „Wir als Handwerker sollten selber über uns bestimmen können“. Gegen die Ablehnung der Fusion wurde von den Innungen inzwischen Klage eingereicht. Für die erste Instanz rechnet Rosin-Lampertius mit etwa eineinhalb bis zwei Jahren, bis man eine Entscheidung des Gerichtes habe. Der Ausgang sei ungewiss. Letztendlich könne das Verfahren bis zum Bundesverwaltungsgericht gehen, meinte er.

„Wichtig ist, dass wir uns als gemeinsame Innung fühlen und zusammenarbeiten“, erklärte Philip Zech, Obermeister der Innung Berlin, der die Veranstaltung in Berlin organisiert hatte. Erstmals hielten die drei Innungen ihre Versammlung gemeinsam ab, wenn auch die Formalien und die Abstimmungen streng nach Innungszugehörigkeit abgewickelt wurden.

Neuwahlen in der Innung Meckelnburg-Vorpommern
Für die Innung Mecklenburg-Vorpommern standen Neuwahlen an. Obermeister Thomas Suhr wurde mit großer Mehrheit wiedergewählt. Zu seinem Stellvertreter wählten die Delegierten Andreas Dibbert. Uli Hammerich und Ronny Benesch komplettieren den Vorstand. Lehrlingswartin ist Iris Schindler, Kassenwart ist Jens Poguntke.

Externe Fertigung in der Diskussion
Zur gemeinsamen Innungsversammlung gehörte wie schon im vergangenen Jahr auch ein Fachprogramm. Das stand am Samstag unter Motto, ob Fremdfertigung in der Orthopädieschuhtechnik sinnvoll ist oder nicht. Nachdem Betriebsberater Anton Bittler einige betriebswirtschaftliche Vorteile der Fremdfertigung herausgearbeitet hatte, vertraten Thomas Suhr und Philip Zech durchaus konträre Positionen. Suhr, der im eher ländlichen Bereich Mühe hat, Fachkräfte zu finden,  sieht  die Fremdfertigung durchaus als einen Weg aus dem Fachkräftemangel. Er verschwieg aber nicht, dass es schwierig sei, zuverlässige Partner zu finden, und dass man sich dadurch in eine Abhängigkeit von Lieferanten begebe.Philip Zech hingegen bekannte freimütig, dass ihn an seinem Beruf immer das Handwerkliche interessiert habe, und brach eine?Lanze dafür, das Handwerk in der eigenen Werkstatt zu belassen und die Ausbildungsbemühungen zu verstärken.

In der anschließenden, von "Orthopädieschuhtechnik"-Chefredakteur Wolfgang Best geleiteten Diskussion zeigte, sich, dass der Fachkräftemangel tatsächlich einer der wesentlichen Treiber für die Ausweitung der Fremdfertigung ist. Sowohl die Referenten als auch die Teilnehmer der Versammlung sahen dabei jedoch die Gefahr, dass dadurch langfristig Know how im Handwerk verloren gehen könnte. Einigkeit bestand deshalb darin, dass man die Ausbildung verbessern und mehr junge Leute für das Handwerk begeistern muss. Diese jungen Leute müsse man entwickeln und ihnen eine Perspektive im Handwerk geben.

© be/orthopädieschuhtechnik