07. Dezember 2015

Hohe Neuropathie-Dunkelziffer bei Diabetikern

Memorisz/fotolia
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Aktuell  publizierte  Studiendaten  weisen  auf  eine  hohe  Zahl  bisher unerkannter Neuropathien hin: Bei über 50 % der Studienteilnehmer mit bekanntem Typ-2-Diabetes wurden Anzeichen für eine beginnende oder klinisch manifeste periphere Neuropathie festgestellt. 62 % von ihnen hatten vor der Untersuchung angegeben, dass bei ihnen keine entsprechende Diagnose bekannt war. Bei Menschen mit Typ-1-Diabetes lag der Anteil neu entdeckter Neuropathie-Verdachtsfälle bei 36 %. Das  sind  die  zentralen  Ergebnisse  der PROTECT-Studie 1 von Wissenschaftlern um Prof. Dan Ziegler vom Deutschen Diabetes Zentrum der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. 

Die Studie wurde Anfang Dezember in der aktuellen Ausgabe des „Journal of Diabetes  and  Its  Complications“ veröffentlicht. Sie beruht auf Daten, die im  Rahmen  einer  bundesweiten  Informations-  und  Aktionstour  der Aufklärungsinitiative  „Diabetes!  Hören  Sie  auf  Ihre  Füße?“  bei  Fußuntersuchungen erfasst wurden. Dabei wurden die Temperatur-,  Druck- und Vibrationswahrnehmung überprüft sowie die Fußpulse palpiert. Für  die  Auswertung  wurden  über  1.000  Fußuntersuchungen aus den Jahren 2013 und 2014 in 26 Städten herangezogen.

Weitere Ergebnisse der Studie zeigen, dass sich sogar bei mehr als der Hälfte der Untersuchten ohne bekannten Diabetes ein Neuropathie-Verdacht ergab. Die Autoren vermuten hierfür als mögliche Ursache  einen  hohen  Anteil  bisher  unerkannter (Prä-)Diabetes-Fälle,  bei  denen  sich  bereits  eine Neuropathie als Folgeerkrankung entwickelt hat. In einer Teilgruppe wurde zusätzlich der HbA 1c -Wert erfasst  und  ausgewertet.  Diese  Daten zeigen, dass über 30 % der Untersuchten ohne vorher bekannten Diabetes einen auffälligen HbA 1c -Wert über 5,7 % hatten.  

„Die alarmierenden Ergebnisse der PROTECT-Studie verdeutlichen, wie wichtig die Aufklärung über die diabetische Neuropathie und die regelmäßige Untersuchung der Füße sind, insbesondere wenn Warnsignale wie Kribbeln, Brennen, Taubheit oder Schmerzen an den Füßen auftreten,“ sagt Prof. Dan Ziegler, stellvertretender Direktor am Institut für Klinische Diabetologie des Deutschen Diabetes Zentrums  der  Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirates des Aufklärungsinitiative.  

Die PROTECT-Studie basiert auf Daten der Nationalen Aufklärungsinitiative „Diabetes! Hören Sie auf Ihre  Füße?“,  die  von  WÖRWAG Pharma in Zusammenarbeit mit der Deutschen Diabetes Stiftung (DDS) und einem wissenschaftlichen Beirat getragen wird.