07. Januar 2016

DDG und diabetesDE begrüßen Diabetes-Überwachungssystem

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe hat im Dezember angekündigt, am Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin eine Nationale Diabetes Surveillance (indikatorgestütztes periodisches Berichtswesen) einzurichten. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) und diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe begrüßen die Entwicklung. Sie verweisen aber darauf, dass allein die Einrichtung eines Nationalen Überwachungssystems  noch keine Verbesserung der Versorgungslage und der Präventionsmaßnahmen impliziert. Es fehle nach wie vor die Formulierung konkreter Maßnahmen einer Nationalen Diabetes-Strategie.

Nach der Ankündigung  des Gesundheitsministeriums soll das Diabetes-Überwachungssystem eine verlässliche datengestützte Entscheidungsgrundlage für weitere gesundheitspolitische Maßnahmen erarbeiten. DDG und diabetesDE begrüßen dieses Vorhaben ausdrücklich. „Die Ankündigung zeigt, dass die Bedeutung der Diabetes-Epidemie in der Politik angekommen ist“, sagt Professor Dr. med. Thomas Danne, Vorstandsvorsitzender von diabetesDE. Professor Dr. med. Jochen Seufert, Sprecher der Kommission Versorgungsforschung und Register der DDG, ergänzt: „Es ist wichtig, alle verfügbaren Datenquellen zu nutzen, um Erkrankungsverläufe und deren Behandlung lückenlos zu erfassen und auszuwerten. „So können nicht nur Versorgungsstrukturen optimiert, sondern auch effektive Präventionsstrategien entwickelt werden.“

Die Kommission Versorgungsforschung und Register, die sich aus neun Mitgliedern beider Diabetesorganisationen und dem Deutschen Zentrum für Diabetesforschung (DZD) zusammensetzt, bringt ihre Expertise in das neue Nationale Diabetes-Überwachungssystem ein. So hatte im April 2015 bereits die erste Diabetes-Register-Konferenz in Berlin stattgefunden, an der auch Repräsentanten des Bundesgesundheitsministeriums, des RKI sowie Experten zahlreicher Diabetesregister und Datensammlungen in Deutschland beteiligt waren. Eine zweite Konferenz, auf der das Projekt „Nationale Diabetes Surveillance“ weiterentwickelt wurde, richtete das RKI am 17. November 2015 in Berlin aus.

Nach Ansicht der Fachgesellschaften kann die Einrichtung des neuen Überwachungssystems nur eine erste  Maßnahme einer Nationalen Diabetes Strategie sein. „Eine Diabetes Surveillance ist noch kein Nationales Diabetesregister und  impliziert noch keine direkte Verbesserung der Versorgung, sondern ist zunächst nur eine Verbesserung der Datenlage.“, so Prof. Seufert.

Nationale Diabetes-Strategie und Präventions-Strategie gefordert
„Angesichts der Tatsache, dass ca. 80 % der vorzeitigen Todesfälle auf die nichtübertragbare  Krankheiten zurückzuführen sind, benötigen wir zusätzlich zur Diabetes-Strategie dringend eine  Präventionsstrategie, die bei mehreren Erkrankungen gleichzeitig greift“, erklärt Prof. Danne. Viele nichtübertragbare chronische Krankheiten wie Krebs und Herzkreislauferkrankungen seien mit den gleichen Risikofaktoren wie Diabetes und Adipositas verbunden  –  ungesunde Ernährung, Bewegungsmangel, Übergewicht, Armut.  Mit einer Nationalen Diabetes Strategie und einer Präventionsstrategie käme Deutschland auch dem UN-Ziel ein Stück näher, die Sterblichkeit bei den nichtübertragbaren Krankheiten bis 2030 um ein Drittel zu senken.

Um dieses Ziel zu erreichen, plädieren DDG und diabetesDE – Deutsche Diabetes Hilfe zusammen mit der Deutschen Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) dafür, vier Forderungen umzusetzen:

  • Täglich mindestens eine Stunde Bewegung in Schule und Kindergarten,
  • Besteuerung adipogener Lebensmittel bei gleichzeitiger Entlastung gesunder Lebensmittel (Zucker-Fett-Steuer),
  • Verbindliche Qualitätsstandards für die Kindergarten- und Schulverpflegung
  • Verbot von an Kinder und Jugendliche gerichtete Werbung für übergewichtsfördernde Lebensmittel.


In Deutschland sind 6,7 Millionen Menschen an Diabetes mellitus erkrankt, 95 Prozent davon an Diabetes Typ 2. Die  Dunkelziffer ist hoch: ein bis zwei Millionen sind an Diabetes erkrankt, wissen aber nichts davon – Tendenz steigend.